Nur noch überleben …

Nur noch überleben …

Daniel Herbst Wenn es nur noch ums Überleben geht

No more sweet talk – Malcom X

Wir befinden uns in einem Propagandakrieg, der uns das Menschliche austreiben soll.
Wenn es nur noch ums Überleben geht …

Bewusstsein ist die erste Berührung. Durch die dieses Leben in die Gegenwart seiner selbst findet. Hierher. Als Du. Und zu Dir. Berührung ist es auch, durch die das Leben in sich einzieht und zu sich kommt. Das Leben zeugt und bezeugt sich durch Berührung. Damit sind Zeugung und Bewusstsein letzten Endes dasselbe, wenn auch auf verschiedenen Ebenen. Wobei Leben, dass sich selbst nicht berührt, in sich als tote Verkörperung eingeschlossen ist. Und wie tot erstarrt. Wodurch es unberührbar wird. Unberührbarkeit ist ein zutiefst pathologisches Phänomen. Adolf Hitler war unberührbar. Allein sein Schäferhund „Blondi“ konnte ihn zu menschlichen Gefühlen anregen.

Die „Nationalakademie“ Leopoldina, das RKI, Herr Drosten und ein geradezu ekstatischer Herr Lauterbach, der durch Corona endlich eine Aufgabe und damit seinen Lebenssinn gefunden hat – dieses „Konglomerat der Vernunft“ bestimmt seit nunmehr fast 9 Monaten unser Leben. Wer sich heute noch wie ein lebendiger Mensch fühlt, macht sich bereits verdächtig und muss damit rechnen als unsolidarischer Gefährder vom Verfassungsschutz verfolgt zu werden.

Wir haben es vorgezogen zu gehorchen …

Die Süddeutsche ist sich heute (9.12.) nicht zu plump 242 Epidemiologen erklären zu lassen, warum Händeschütteln auch früher schon keine gute Idee war. Und umarmen auch nicht. Und küssen. Und Zärtlichkeit überhaupt. – Das, womit wir es hier zu tun haben, ist das dunkelste Mittelalter revisited – eine Heimsuchung. Wir werden von einem Geist heimgesucht, der uns immer noch dominiert. Weil wir es bisher vorgezogen haben, zu gehorchen – statt uns selbst zu entdecken! Und Frau Käßmann, die protestantische Vorzeigechristin teilt ebenfalls in der Süddeutschen mit, dass Gott keine Pandemie schickt, weil Gott uns nicht für unsere Lebensweise straft!

Zitat: Ich bekomme überraschend oft die Frage gestellt, ob Corona eine Strafe Gottes sei. Wir als Menschheit hätten gegen die Natur gelebt mit unseren Flugzeugen und Kreuzfahrtschiffen, und nun bestraft uns Gott für unsere Lebensweise. Als sei Corona unsere Sintflut. SZ: Und ist sie das? Und Käßmann: Nein. Die Bibel hat da eine ganz andere Geschichte parat. In der Erzählung von der Arche Noah sagt Gott nach der Sintflut, dass er nie wieder zerstören werde. Der Regenbogen wird zum Zeichen für das Versprechen. Gott bestraft uns nicht dafür, wie wir leben. Er schickt keine Krankheiten und keine Unfälle. Gott schickt keine Pandemie …

Puh, da haben wir ja wirklich Glück gehabt. Das Gott zum Vater der Selbstsüchtigen mutiert ist. Es gibt also nach dieser Lesart überhaupt keinen Grund uns selbst einmal wirklich zu fragen, was wir hier auf diesem Planeten eigentlich treiben. Weil die Bibel eine ganz andere Geschichte erzählt, wie Frau Käßmann weiß. Nämlich die Wahrheit. Und die schützt uns davor, zu Bewusstsein zu kommen und aufzuwachen! Da sind wir wieder bei der Nachfolge Petri und damit beim Hirten und seinen Schafen.

Welches Leben ist es wert zu überleben?

Heute erklärt uns die Wissenschaft dasselbe mit anderen, nicht weniger abstrusen Worten. Was dazu führt, dass sich die Regierungen weltweit für uns immer absurdere Verhaltensmaßnahmen ausdenken. Was z. B. dazu geführt hat, dass das kleinen Dänemark mit seinen nicht einmal 6 Millionen Einwohnern im November in einer Nacht und Nebelaktion mehr als 15 Millionen! Nerze töten ließ, weil bei einer einstelligen Zahl (d. h. weniger als 10!) „das Virus“ nachgewiesen werden konnte. Und das gibt den auf diese Weise Denkenden das Recht, nach Art des 3. Reiches rigoros und mit bestem Gewissen das Unwerte zu töten. – Ja, es bedarf dieser Deutlichkeit. Schließlich ist ein Nerz auch ein lebendiges und empfindungsfähiges Wesen.

Was uns in der Menschheitsgeschichte rigoros abgewöhnt worden ist, ist die Achtung vor dem Leben. Das selbst lebendig und empfindungsfähig ist. Sich selbst berührend. Und genau das ist es, wovon wir durch die Verwissenschaftlichung der Welt getrennt werden sollen: Von uns selbst. Von uns als dem lebendigen Mysterium, dass sich in allem Lebendigen wiedererkennt. Stattdessen sollen wir rechnen, bedenken, klar sein, nein, besser noch analytisch und kalt. Nur auf das Überleben ausgerichtet, aber dem Leben gegenüber vollkommen gleichgültig. Nur noch funktionierend, produzierend und konsumierend.

Aus Angst vor einem mutierten Coronavirus ließ Dänemark Millionen Nerze keulen. Doch damit nicht genug: Nun, so berichtet die Tagesschau, drohen die Kadaver das Trinkwasser zu verunreinigen. Die Regierung erwägt nun, die Kadaver wieder auszugraben. – Hat das noch etwas mit Intelligenz zu tun? Oder sehr viel eher mit einem Herrschaftsanspruch, den niemand der Intelligenz für sich in Anspruch nimmt, vor sich rechtfertigen kann. Wir sind das Virus dieser Welt. Das wird immer deutlicher. Und es ist höchste Zeit, das einzusehen. Weil es das Leben sonst macht, wie es das Leben eben macht. Es sortiert nach seinen eigenen Maßstäben aus. Dafür braucht es keinen jenseitigen Gott. Der uns gestohlen bleiben kann. Weil das, was Gott ist, das Leben selbst ist! Schon mal drüber nachgedacht, Frau Käßmann?

Mit blutigen Händen danken wir Gott

Und dann feiern wir wieder Erntedank mit Ähren im geflochtenen Weidenkorb, hübsch auf dem Altar dekoriert und danken Gott für seine Gaben, während wir Tiere auf die bestialischste und entwürdigendste Weise halten und diese zutiefst gedemütigten Wesen dann in Tötungsfabriken keimfrei und mundgerecht in Plastik verschweißen. Fleisch ist ein Stück Lebenskraft. Ja, danke Gott. Das ist echt schön von Dir, dass Du uns das einfach so durchgehen lässt. Dafür sagen wir jetzt auch nicht mehr Zigeunerschnitzel, weil das diskriminierend ist.

Als sich der Mensch zur Krone der Schöpfung erklärt hat, ist er vor sich selbst in den Dreck gefallen. Und hat sich zu etwas gemacht, was er in Wirklichkeit nicht ist: zu etwas Besonderem. Zu etwas Einzigartigem. Zu etwas, dass das Recht hat, die Welt allein aus seiner Perspektive heraus zu definieren. Eine Antwort darauf sind die Umweltzerstörung, das Artensterben und die Vergötterung des Besitzes. Der in einer solchen Welt zur einzigen Wirklichkeit aufsteigt. Und eben deshalb gehen wir mit COVID-19 so um, wie wir es tun. Weil wir glauben, dass wir ein Leben haben, das uns gehört. Und das muss geschützt werden. Auf Teufel komm raus.

Diese Art die Welt zu sehen, bereitet dem Leben die größten Schmerzen. Diese Art das Leben zu sehen, hat nichts mehr mit dem Leben zu tun. Im Gegenteil, durch diese Art auf das Leben zu schauen, entwürdige ich mich selbst und das Leben! Und werde dabei so schwach, dass ich nichts mehr machen kann.

 Stopp!

Wenn wir bereit sind uns berühren zu lassen …

Intelligenz ist nicht determiniert! – Darauf weise ich so gern hin, weil Intelligenz etwas ganz anderes ist, als wir denken! Das Leben selbst ist, was Intelligenz ist. Und diese Intelligenz zeigt sich uns. Sie wird uns erst dadurch zugänglich, dass wir leben. Aber nur, wenn wir auch leben wollen – was nichts anderes heißt als: Wenn wir bereit sind, uns vom Leben berühren und damit führen zu lassen.

Das Leben selbst ist ein reiner Überschuss. Es ist ein „Zuviel“. Wie Lachen. Wie Fantasie. Wie alles, was echt ist, echt und damit spontan. Und Freude macht. Das Leben ist etwas, was es nicht braucht. Etwas, was niemand braucht! – Das erst macht das Leben göttlich! Das erst macht aus dem Leben, was es ist. Einen kreativen Fluss, der nicht an sich halten kann. Und alles mit sich reißt, was ihm widersteht. – Einfach weil es das Leben ist – und weil es in Wirklichkeit nichts anderes gibt!

Davon weiß das Tote in uns nichts …

Die Klimakatastrophe ist keine Katastrophe für das Leben. Sie ist eine innere Katastrophe. Es ist die Katastrophe eines Menschen, der sich selbst nicht mehr spürt. Und diese Katstrophe wird seit den 1980er Jahren analysiert und diskutiert. „Was ist zu tun?“ – Das ist das große Rätsel. Wie können wir etwas ändern, ohne uns zu ändern, fragt sich der vom Leben getrennte Denker, der sich allein mit sich selbst beschäftigt. Das Leben ist ihm dabei in Wirklichkeit vollkommen egal. Und zwar egal, weil er es nicht versteht. – Und nicht verstehen kann. Er versteht nur, was es sich selbst zurechtlegt. So begrenzt ist er! Das in seinen Gedanken Zurechtgelegte führt in eine Welt, in der niemand leben will und kann. Es führt in eine vom Odem des Lebens angeschnittene Verschleierung, in der sich niemand mehr erkennen kann. Und nur noch nach einem fremden Diktat wie ein Soldat funktioniert.

Angst führt uns in die Katastrophe

Dabei ist das Leben ein wilder, majestätischer Tanz, der sich ganz verbrennt, wenn er wirklich erlebt wird und dabei geistvoll übersetzt. Geistvoll heißt, diese Majestät entdeckend. Um aus dieser Größe heraus unbeschwert von kleinlichen Einflüsterungen zu leben. Diese Einflüsterungen kommen alle aus der Angst und damit aus einem Weltbild, das uns an den Rand der Katastrophe geführt hat, die wir jetzt auch auf diese Weise spüren dürfen …

Niemand will lethargisch, wie paralysiert und freudlos sein. Das Leben ist es nicht. Und Du willst es nicht. Wer will es dann? – Was ist das Tote, dass das Lebendige in uns kontrollieren und abtöten will? Kann es wirklich sein, dass es mir verboten ist, mich zu mir zu lassen, mich selbst zu empfinden und auszudrücken? Könnte es nicht sein, dass es mir nur verboten ist, weil sonst immer mehr Menschen auf die Idee kommen könnten, es wirklich mit sich selbst zu tun haben zu wollen? Was uns erst zu uns als Menschen anheben würde. Zu Individuen, die sich selbst erleben. Zu Individuen, die ihr Leben selbst entdecken, die selbst tanzen, selbst küssen und sich von allem, was sie zutiefst berührt verzaubern und leiten lassen …

Davon weiß das Tote in uns nichts. Das, was wie abgestorben in uns in heimlicher Verzweiflung vor sich hinvegetiert. Das, was wir immer wieder nur „verstehen“ aber nicht wirklich erlösen wollen. Weil uns die wirkliche Begegnung mit dem Toten in uns zum Leben anheben würde. Zum Leben, dass nicht verstanden, sondern gelebt werden will. Als Fantasie, als Lust, als Tanz, als Poesie, als Berührung, als ein Ergriffensein von Nichts. – Was soll das sein? – Unnötiges Zeug! Träumereien, die fürs Überleben einfach nicht notwendig sind. Sagt der Tote, der wie ein Alkoholiker nur gut versorgt sein will. Und so lange wie möglich am Leben sein will. Weil er nichts anderes hat als das, was ihm gehört. Weil er nichts von sich als lebendiger Selbst-Beziehung weiß. Weil er sich anderenfalls nicht mehr ausweichen und wegerklären könnte.

Ein ordentlich absolviertes Leben

Ja, so sieht es aus in der zweidimensionalen Welt, in der wir geboren werden, um etwas aus uns zu machen. Um jemand zu werden, ein Haus zu bauen, Steuern zu zahlen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Und dabei tüchtig sparen, damit wir es uns leisten können, uns am Ende unserer Tage der liebevollen Fürsorge in unseren Pflegeeinrichtungen zu überlassen. Ja, das klingt nach einem schrecklich vernünftigen, nach einem ordentlich absolvierten Leben.

Das alles ist toter Geist. Und dieser tote Geist führt sich jetzt noch einmal in ganz schrecklicher Maskerade auf. Die Corona-Reglementierer sind dieselben, die für den Umweltschutz, das Tierwohl und für die Monokultivierung unserer Böden zuständig sind. Sie sind die Hüter des Status quo und die Garanten dafür, dass wir unser Selbstverständnis nicht in Frage stellen. Sie kultivieren alles, was verhindert, dass es zu einer echten und damit gelebten Transformation im Bewusstsein des Menschen kommt. Und dafür brauchen wir auch ein Finanzsystem, dass uns aus gutem Grund große Angst macht und ein immer größeres Ungleichgewicht schafft. Damit wir motiviert sind und es auch bleiben.

Dieses Finanzsystem sagt, dass alles irgendjemandem gehört. Und zwar egal ob er es braucht oder nicht. Denn das, was einem anderen gehört, ist Dir vorenthalten. Und das heißt, dass wir auf diesem Planeten Menschen verhungern lassen, damit klar wird, wie wichtig es ist, an dieses System angeschlossen zu sein. Und jetzt ist es eben notwendig „solidarisch“ zu sein. Warum? Weil es die „systembeherrschende Klasse“ sehr viel einfacher hat, wenn sich das Volk kollektiv nicht mehr spürt und sich von ihr fachkundig führen und belohnen lässt.

Ja, wir werden mit allem versorgt, was wir brauchen. Wenn wir kooperieren. Nicht nur mit jeder Menge Unterhaltung, sondern auch mit „Seelennahrung“. Ja, so nennt „man“ das. Mit Drogen, die den Verstand dumpf und den Körper krank machen. Aber solange sich etwas damit verdienen lässt … Alkohol, Zucker, Fleisch und Nikotin sind unverzichtbare Narkotika in einer Welt, in der es darum geht, dass Du Dich auch weiterhin übersiehst. Damit alles so weitergehen kann, wie es schon immer war. Damit Du auch weiterhin bereitwilligst gegen Deine Interessen kollaborierst und es Dir nach Feierabend einfach nur noch gut gehen lassen willst. Gerade jetzt! Bei all dem Stress. Und jetzt auch noch mit Corona! – Ja, da kann man nichts machen …

Na dann Prost!

In diesem Sinne,
von Herzen.
Daniel

Ein Instrument Gottes …

Ein Instrument Gottes …

Ramesh Balsekar Autor im Noumenon Verlag für hochwertige spirituelle Bücher

Wenn Besucher zu mir kommen, mache ich sie als Erstes darauf aufmerksam, dass alles, was ich sage, »nur Gedanke« ist, nicht »die Wahrheit«. Ich füge hinzu, dass überhaupt alles, was je von Wissenden gesagt worden ist, und alles, was in den heiligen Schriften aller Religionen steht, nur Gedanke ist. Ein Gedanke ist so oder so auslegbar, der eine pflichtet bei, der andere nicht. Wahrheit andererseits ist das, was niemand bestreiten kann.

Wenn ich meine Besucher frage, ob sie etwas so sicher wissen, dass es unzweifelhaft die Wahrheit ist und nicht einfach Ge-danke, dann wissen die meisten nichts zu antworten. Ich ant-worte dann selbst, es gebe in der Tat nur eine einzige Wahrheit, an der nicht zu rütteln ist. Nehmen wir an, ein Atheist kommt zu mir und erzählt, er habe das Thema sehr eingehend studiert, sogar mit einer Promotion im Fach vergleichende Religions-wissenschaft, und sei vollkommen überzeugt, dass es keinen Gott gibt. Ich würde ihm erwidern, seine Überzeugung sei absolut legitim, da »Gott« ohnehin einfach ein Gedanke sei. Ich sage: Gott mag existieren oder nicht, aber würden Sie Ihre eigene Existenz bestreiten?

Da liegt nämlich die einzige unbestreitbare Wahrheit, im unpersönlichen Gewahrsein von Sein oder Existenz. Da gibt es nichts zu deuten. ICH BIN ist wahr. »Ich bin Hans« oder »Ich bin Grete«, das ist nicht die Wahrheit. Die Wahrheit des ICH BIN kann unter dem persönlichen Ego verborgen liegen.

Weise mir Dein Ego aus

Und dieses individuelle Ego ist der spirituelle Sucher. Aber das Ego existiert eigentlich gar nicht. Wenn jemand zu mir kommt und sein Ego demontiert haben möchte, um dann »selbstverwirklicht« oder »erleuchtet« zu sein, fordere ich ihn auf, mir sein Ego vorzuweisen – verbunden mit dem Versprechen, es vor seinen Augen dem Erdboden gleichzumachen.

Was ist denn das Ego? Was verstehen Sie darunter? Wenn ich so frage, antworten die meisten ungefähr so: »Ego ist die Identifikation mit einem Körper, der als etwas von allen ande-ren Menschen Getrenntes gesehen wird, und diese Trennung ist die Ursache allen Unglücks.« Doch bloße Identifikation mit einem Namen und einem Körper oder Name-und-Form (Sans-krit nama-rupa) kann noch kein Ego bilden, denn selbst der Wissende, der ja sein Ego überwunden hat, reagiert wie jeder gewöhnliche Sterbliche, wenn sein Name gerufen wird. Worin besteht dann aber der Unterschied, was macht den Wissenden zum Wissenden? Der Umstand, dass er ohne jeden Zweifel die Richtigkeit dieser Worte des Buddha erkannt hat: »Ereignisse tragen sich zu, Taten werden getan, doch es gibt kein Individuum, das Taten verrichtete.« Er weiß also mit absoluter Sicherheit, dass weder er noch irgendwer tatsächlich Täter seiner Taten ist, dass alles »Tun« ein göttliches Wirken ist, das lediglich durch diesen oder jenen Körper-Geist-Organismus geschieht, aber nicht von jemandem »getan« wird.

Hier erhebt sich die Frage: Wenn niemand tut, was getan wird, wer ist es dann, der in dieser Welt lebt? Wer erfährt Glück und Unglück? Wer sucht »Selbstverwirklichung« oder »Erleuchtung« oder was auch immer? Die kurze Antwort lautet, dass wir nur meinen, wir lebten unser Leben, während das Leben in Wirklichkeit einfach durch Milliarden Körper-Geist-Organis-men gelebt wird. Das Ego bildet sich ein, es sei der Macher und erfahre Glück und Unglück. Das Neugeborene sucht instinktiv die Brust der Mutter, und von da an ist das Leben Suche – Suche eines Ego, das sich als Sucher, als Täter seiner Taten und für diese Taten verantwortlich sieht.

Ein Computer mit spezieller Programmierung

In Wahrheit, wie gesagt, ist ein Mensch nichts weiter als ein Instrument, ein Computer mit jeweils spezieller Programmierung, dessen sich Gott (der Ursprung, die Urenergie, das Bewusstsein oder eben das Eine ohne ein Zweites) bedient, um zu bewirken, was er bewirken möchte. Der Ursprung bedient sich dieser Milliarden Computer genauso, wie Sie Ihren Computer handhaben. Sie beschicken Ihren Computer und seine spezielle Programmausstattung mit einem Input, und er hat dann keine andere Wahl, als den Output zu produzieren, für den er programmiert ist. Wenn Sie meinen, es sei »Ihre Sache«, wie Sie handeln, dann müsste man auch vom Computer sagen, es sei »seine Sache«, was er produziert.

Worin besteht nun Ihre Programmierung? Sie haben Ihre Eltern nicht selbst gewählt und daher auch nicht Ihre Gene und die DNA Ihres Körper-Geist-Organismus. Sie haben sich auch nicht das Umfeld ausgesucht, in das hinein Sie geboren wurden und in dem Ihr Körper-Geist-Organismus vom ersten Tag an seine Prägungen erhalten hat. Zusammen bilden Ihre DNA und die Umwelteinflüsse, denen Sie ausgesetzt waren, die »Programmierung« Ihres Körper-Geist-Computers.

Und wie benutzt der Ursprung (Gott) den menschlichen Computer? Der »Input«, denke ich, ist entweder ein Gedanke des Grundbewusstseins oder Ursprungs oder einfach das, was an Sinneseindrücken aufgenommen wird. Das Gehirn reagiert darauf und produziert als »Output« eine Reaktion des Körper-Geist-Organismus. Neuere Forschungen zeigen, dass die Gehirnreaktion dem scheinbar vom Ich ausgehenden Impuls eine halbe Sekunde vorausgeht. Es liegt demnach auf der Hand, dass nicht das Ich über den Input bestimmt, und natürlich hat es auch keinerlei Einfluss auf die Programmierung, die über die Reaktion des Körper-Geist-Organismus bestimmt. Diese Reaktion ist offensichtlich einfach biologischer oder mechanischer Art. Doch das Ego beharrt darauf, diese Reaktion als seine Aktion zu sehen.

Wo ist der Unterschied?

Beachten wir auch, dass die biologische oder mechanische Reaktion des Körper-Geist-Organismus beim Wissenden nicht anders ausfällt als beim gewöhnlichen Menschen. Bei gleichem Input und ähnlicher Programmierung darf man ähnlichen Output erwarten – Ärger, Belustigung, Angst, Mitleid oder was es auch sei. Hartnäckig hält sich aber der Glaube, mit Selbstverwirklichung oder Erleuchtung sei eine derart tiefe Verwandlung verbunden, dass der Wissende fortan vollkommen sei, nichts mehr von Ärger, Frustration oder Angst. Aber, wird man jetzt einwenden, es muss doch einen Unterschied zwischen einem Erleuchteten und einem Unerleuchteten geben. Worin besteht er, wenn die programmierten Reaktionen ungefähr gleich ausfallen? Er besteht in dem, was nach der ersten Reaktion geschieht.

Sagen wir, irgendeine Situation löse – beim Wissenden wie beim gewöhnlichen Menschen – Verärgerung aus. Beim gewöhnlichen Menschen reißt jetzt das Ego das Ruder an sich und sagt: »Ich bin wütend. Ich soll mich aber nicht ärgern, mein Arzt hat gesagt, davon bekomme ich hohen Blutdruck und dann womöglich einen Herzinfarkt oder Gehirnschlag.« Der Körper-Geist-Computer reagiert einfach im Augenblick, aber das Ego zieht die Reaktion in die Länge und Breite. Wenn dem Wissenden Ärgerliches widerfährt, wird er vielleicht lauthals schimpfen, aber damit ist seine Reaktion dann auch beendet und bereits im nächsten Augenblick ist er wieder aufgeschlossen für alles, was sich dann bieten mag.

Dazu fällt mir etwas ein, was ich vor langer Zeit während eines Besuchs bei meinem Guru, Nisargadatta Maharaj, erlebt habe. Jemand stellte eine Frage, die Maharaj offensichtlich aufbrachte. Er schrie den Fragesteller an: »Du kommst jetzt schon sechs Jahre und stellst immer noch solche dämlichen Fragen!?« Der so Angeraunzte kannte Maharaj gut und konterte ebenso schlagfertig wie witzig. Alle lachten, Maharaj am lautesten. Eben noch verärgert, jetzt schon wieder zum Lachen aufgelegt. Das hätte als Ego-Reaktion ganz anders ausgesehen. Das Ego würde sagen: »Ich bin ärgerlich, und dieser Mann da hat mich verärgert – kommt gar nicht infrage, dass ich über seinen Witz lache!« Beim gewöhnlichen Menschen hätte die Ego-Ein-mischung mit anderen Worten in die Breite geführt und keine Aufgeschlossenheit für den nächsten Augenblick zugelassen. Deshalb ist der gewöhnliche Mensch manchmal glücklich,
meistens aber unglücklich.

Autor: Ramesh Balsekar aus:  Wo nichts ist, kann auch nichts fehlen.

(c) Noumenon Verlag

 

Der Witz Gottes

Der Witz Gottes

Autorin: Nicole Paskow

Es war Dienstag Nacht, kurz vor ein Uhr. Ich war schon im Halbschlaf. Halb hinübergeglitten in die leichte, von allem losgelöste Abwesenheit meiner selbst, da hab ich ihn genau gesehen. Den Witz Gottes. Ein Witz über den ich nicht lauthals lachen kann, der aber dennoch sehr, sehr gut ist. Ich musste augenblicklich an meinen Laptop springen und über ihn schreiben. Über den Ursprung dessen, woraus sich Humor entwickelt hat. Über den Urwitz, der sich so gut versteckt, dass ihn nur jemand „kriegt“, den es nicht gibt. Ich hab ihn wahrscheinlich auch nur gekriegt, weil es mich schon halb nicht mehr gab und weil ich eine Affinität zu solcher Art Witzen habe.

Den Witz Gottes kann man nicht erklären. Er verliert dadurch, wie jeder andere Witz, die Pointe. Und um die geht es. Immer. Weil sie der ganze Dreh und Angelpunkt ist. An ihr scheitert unser Verstand. Deshalb müssen wir lachen. Das ist das Ergebnis einer Pointe, die gezündet hat. Sie verursacht einen Kurzschluss im Verstand und der löst Lachen aus oder plötzliches Begreifen, was genauso schön ist.  Wie bei einem echten Kurzschluss geht dann erstmal gar nichts mehr. Ins Lachen passt kein Gedanke.

Und weil da kein Gedanke ist, ist da auch kein persönliches Ich drin. Lachen kannst Du nur, weil Du gerade nicht denkst. Genauer gesagt, weil Du gerade nicht denken kannst. Das, was dem einfachen Gemüt sein „schweinischer“ Witz ist, ist dem Zen Meister sein Koan. Inhaltlich verschieden, doch im Ergebnis das Gleiche. Beide denken nicht mehr wenn der Knaller knallt und fühlen sich in dieser sekundenschnellen Ewigkeit zu Hause.

Über alles hinaus

Aber der Witz, den ich meine, der geht über alles hinaus. Über das ganze Leben. Wenn man die eine Seite der Medaille verstanden hat, landet man automatisch auf der anderen Seite. Deshalb beschreibe ich jetzt mal die eine Seite der Medaille, um mich dem kosmischen Vergnügen zumindest anzunähern.

Wann ist es möglich auf Wolken durch den Himmel zu klettern? Wann kannst Du Dich auf Sterne setzen und in Sphären eintauchen, die Dir alles über das Leben erzählen? Wann wird das Unmögliche möglich?

Nur dann, wenn Du in der Lage bist, Dich von allem zu lösen. Um den kosmischen Humor zu verstehen, musst Du aufhören alles auf Dich zu beziehen. Genau genommen musst Du Dich als Bezugspunkt auflösen. Stell Dir mal vor. Ja! Stell Dir mal vor! So geht es los. Kannst Du Dir vorstellen so transparent zu werden, dass Du nur noch wahrnimmst?

Du hörst auf in Gedanken zu sein

Du lässt jeden Kontext in dem Du existierst, gehen. Das heißt nichts anderes, als Du hörst auf in Gedanken zu sein. Das passiert Dir jedes Mal, wenn Du einen Film siehst.

Wenn der Film gut genug ist, um Dich zu „fesseln“, heißt das nichts anderes, als dass „Du“ nicht mehr da bist, sondern nur noch den Film wahrnimmst. Du wirst Wahrnehmung. Die Wahrnehmung, die Du bist, tritt in den Vordergrund und die Person, die Du bist, tritt in den Hintergrund.
Das passiert im Kino. Wenn die Tränen laufen, weil Du eine traurige Geschichte anschaust, die nicht wirklich existiert, aber dennoch eine Wirkung auf Dich hat. Diese Traurigkeit ist wunderschön! Ganz einfach, weil Du als Widerstand gegen die Traurigkeit gerade nicht existierst.
Du beziehst sie nicht auf Dich. Du erlebst sie.

Aber was passiert, wenn Dir das in Deinem Leben passiert? Was passiert, wenn Du, als die Person, die Du bist so sehr in den Hintergrund trittst, dass das, was Du erlebst den vollen Raum einnimmt?
Das heißt nicht zwangsläufig, dass Du nur noch im praktisch-konkreten sinnlich wahrnehmbaren Raum bist. Das heißt eben auch, dass sich Dir geistige Dimensionen erschließen, die sich nur erschließen können, wenn Du als konzeptionell gebundener Mensch nicht mehr existierst, weil Du in diesen Dimensionen, als solcher, nichts als eine Bremse bist. Eine Bremse für die Lust des grenzenlosen Bewusstseins an sich selbst.

Erkenntnis in sich selbst

Das grenzenlose Bewusstsein kann sich nur in sich selbst erkennen. Das heißt, es braucht einen Spiegel, der keine Grenzen hat. Tja. Und dieser Spiegel kannst Du nur sein, wenn Du nichts mehr von dem, was Du wahrnimmst, auf Dich persönlich beziehst. Denn „persönlich“ heißt automatisch auch „Grenze“. Dann kannst Du den Witz Gottes sehen.

Der so geht: Wenn Du Dich auflöst als festes Gefüge, kannst Du Dich als Unendlichkeit schmecken.

Ok. Anders. Deutlicher: Deine Probleme sind das direkte Ergebnis Deiner Abwehr zu erleben, was Du erlebst. Du, als an Deine Gedanken Verlorener, bist in Deinem Lebensfilm zu präsent. Deshalb kannst Du den Film nicht richtig mitbekommen. Wenn Du im Kino daran denkst, was Du danach machst, kriegst Du den Film nicht mit. Du bist viel zu identifiziert mit Deinen persönlichen Inhalten.

Jetzt küsst mich der luftige Advaitin und der Tantriker stößt mich von seinem sinnlichen Sofa. Weil beide zu kurzsichtig sind und die Medaille nicht sehen, auf deren Seiten sie beide prangen.

Erst wenn ich mich von der Nicole lösen darf, die von dort kommt und dahin geht, die glaubt zu wissen, wer sie ist und welche Möglichkeiten sie hat oder nicht hat, die glaubt geistig und emotional abhängig zu sein von der Liebe des einen und von dem Wohlwollen des anderen, oder von den richtigen Umständen, ihrem Job, den wissenschaftlichen Erkenntnissen, der öffentlichen Meinung, Corona, ihrem Bankkonto …

Erst wenn ich sie gehen lassen kann, kann ich Wolken erklimmen, auf Sternen reisen, herrlich luftig küssen, unerschrocken lieben, Mysterien entdecken, auf der Matrix tanzen, stehen bleiben im Sturm und still sein in der Hölle. Hier erlebe ich mich.

Enge geistige Grenzen

Weil sich die engen geistigen Grenzen auflösen, die mich von der Direktheit des Lebens trennen. Dieses Konglomerat aus automatischen Gedankengebilden, das den Namen Nicole trägt, ist nichts als der Widerstand gegen die unmittelbare Wahrnehmung dessen, was Wirklichkeit ist.

Und für die wirkliche Wirklichkeit gibt es keine Worte mehr. Weil hier nur noch Erleben ist. Kein Widerstand gegen das Erleben bedeutet es darf sein. Alles. Und Du als Erleben, dass sich seiner selbst bewusst ist, bist darin und erlebst da heraus. Und jetzt lässt mich der Tantriker auch wieder auf sein samtiges Sofa.

Jetzt bin ich nämlich mitten im Leben und erlebe es von „innen“. Warum? Weil kein widerstrebender Gedanke mich mehr von der Unmittelbarkeit meiner Erfahrung trennt. Wie auch immer sie aussehen mag. Deshalb kann ich den Kuss als Kuss erleben und mich vollkommen an ihn hingeben. Dann bin ich nur noch Kuss und Küssen und erlebe, was das bedeutet. Jedes Innen und Außen verliert hier seinen Bezugspunkt. Und das ist schön. Weil nur noch Berührung übrig bleibt. Ob ich lache oder weine.
Ein Erleben, das sich selbst trägt.

Wenn ich nicht bin, bin ich.

Das ist ist die Pointe.

 

 

Freies, gefangenes Bewusstsein

Freies, gefangenes Bewusstsein

Autor: Daniel Herbst

Das, was wir als uns erleben, ist freies Bewusstsein. Freies, gefangenes Bewusstsein. Also freies Bewusstsein, das sich in Gefangenschaft erlebt. Statt uns in den Stumpfsinn der Gefangenschaft zu ergeben, können wir verwirklichen, dass wir sind, was freies Bewusstsein ist. Und nur weil es frei ist, kann sich in ihm die schmerzhafte Erfahrung erleben, gefangen zu sein.

Es genügt nicht, mir immer wieder zu erzählen, wer ich angeblich sei, dass ich das allem zugrundeliegende Zeugenbewusstsein bin, und damit das, was Freiheit ist. Das ist eine völlig unzulässige Verkürzung, in der ich mich in meiner Aktualität übersehe. Woraufhin ich gegen das, was ich als mich erlebe, zu kämpfen beginne oder es einfach immer umfassender ignoriere. Dadurch gerate ich in eine immer tiefere, nicht durchschaute Gefangenschaft mir selbst gegenüber und trenne mich „endgültig“ von mir. Und genau durch diese Abspaltung schließen sich die Gefängnistore. Diese Abspaltung sind die Gefängnistore. Ich werfe mich selbst als das Übersehene in mir in den Kerker und begreife nicht, dass ich dieses Eingekerkertsein dann am eigenen Leib zu erfahren habe.

Um es so deutlich wie möglich zu sagen: In diesem Zustand lebe ich zwei Leben. Und betrüge mich selbst um mich. Ich werde zu einem spirituellen Betrüger, zu einem scheinheiligen Ich, dass mit sich als hilflosem Kind nichts zu tun haben will – und es einfach unter Wasser hält. Bis es still ist. – Gefühle! Gedanken! – Pah, das ist nicht meine Welt! – Sagt wer? Solange ich mich nicht ganz sein lasse, muss ich gegen mich und meine Welt kämpfen. Und damit gegen alles, was ich nicht durchschaut habe – und nur deshalb für wirklich halte! Damit bleibe ich immer wieder an mir in Form meiner alten(!) Sichtweisen hängen. Und verpasse jede wahre Transformation. Die Transformation zu mir als dem Menschen, der mit sich übereinstimmt.

Ganz hierher ankommen

Die gute Nachricht ist: Du kannst Dich als gefangen entdecken. Und Du kannst entdecken, dass das, was Du in Wirklichkeit bist, nicht gefangen genommen werden kann. Es nimmt sich immer wieder selbst gefangen, indem es immer wieder dasselbe über sich denkt, dasselbe fühlt, dasselbe glaubt, demselben widersteht, dasselbe haben will und vom selben träumt. Genau darin besteht die Uneinsichtigkeit. Die jetzt urteilsfrei gesehen wird.

Solange Du Dir als freiem Bewusstsein gegenüber uneinsichtig bleibst, wirst Du wie ein Gefangener im freien Bewusstsein leben – und genau das erleben! Das Leugnen Deiner Gefühle, der Welt und Deines Körpers erlöst Dich nicht aus der Gefangenschaft, sondern nur die Bereitschaft, als das freie Bewusstsein, das Du bist, vollständig in diese Verkörperung einzuziehen. Es geht nicht darum, irgendwo rauszukommen, sondern darum, ganz hierher zu kommen – um in diesem Leben die Freiheit zu entdecken.

Niemand zwingt mich, die Welt so zu erleben, wie ich sie bisher erlebt habe. Niemand außer das, was in mir passiert. Und doch kann ich ein Einsehen in mich als vermeintlich gefangenes Bewusstsein bekommen und einsehen, dass alle in dieser Verkörperung spielenden Energien darüber Auskunft geben, inwiefern ich mit mir selbst übereinstimme und inwiefern nicht. Ich kann die unerlösten Energien nicht loswerden, indem ich sie leugne oder bekämpfe, sondern nur, indem ich mir eingestehe, dass sie mir wirklich etwas zu sagen haben. Damit werde ich bereit zu spüren, dass ich der Erlösung bedarf. Der Erlösung von mir in kultivierter, vorgestellter Form. Weil ich mir(!) nichts mehr zu verkaufen habe.

Dein eigener Erlöser

Du bist Deine eigene Rettung, Dein eigener Erlöser. Weil Du bist, was Bewusstsein ist und gerade die Erfahrung Deines Lebens machst. Es geht um das unmittelbare Einsehen in die Situation, die Du als Dich spürst. Du bist hilflos an Dich als Erleben ausgeliefert. Und wenn Du das wirklich „verstehst“, dann hast Du Dich nicht mehr zu ertragen, dann musst Du Dich nicht mehr Durch Dein Leben schleppen. Dann kommst Du zu Dir und verstehst die wahre Situation. Und willst einfach bei Dir sein.

Die wahre Situation ist, dass das, was Bewusstsein ist, sich als eins mit dem erlebt, was in ihm erscheint. Und wenn es sich wirklich erleben darf, kann es weit werden und von sich lassen. Und damit in die Liebe finden. Die Liebe ist das Über-mich-hinaus, in der sich niemand verlässt. Ganz im Gegenteil: Darin komme ich in und als Anwesenheit zu mir und lasse mich von mir als diesem Wesen ganz unmittelbar berühren!

Damit ist Liebe die freieste Form der Identifikation. In ihr nimmt das Bewusstsein alles, was ihm erscheint, augenblicklich an. Überall sagt es: „Ich“. Überall spürt es sich selbst. Das ist, was im Bewusstsein passiert, wenn es sich selbst als die einzige Anwesenheit entdeckt. – Liebe!

Annehmen, was schon ist

Liebe heißt: Ich bin es! Überall tönt es: „Hier bin ich.“ Dieses Hier-Sein, dieses „Hier bin ich“, sehnt sich danach, wirklich entdeckt und angenommen zu werden. Damit es sich verwirklichen kann. Es sehnt sich danach, wahrgenommen zu werden. – Von Dir! Es sehnt sich danach zu entdecken, dass es selbst aus der Liebe kommt. Aus der Intimität des Lebens für sich selbst. So nah, dass es darin nichts gibt, was nicht(s) damit zu tun hat. Alles eins! Hier. Als sich selbst erlebende Unmittelbarkeit, die meinen Namen trägt.

Letzten Endes nehme ich nur an, was schon ist. Direkt. Und dadurch verändert sich alles. Von hieraus hat niemand mehr Interesse daran, sich auf Probleme zu fokussieren, die rein gedanklicher Natur sind. Von hieraus wird nicht mehr nach Bestätigung gesucht, wird nicht mehr verglichen, hier wird niemand mehr gesucht, den ich für meinen Zustand verantwortlich machen kann. Hier fühle ich mich nicht mehr als Opfer und suche keinen Schuldigen mehr. Nein, hier habe ich es wirklich mit mir selbst zu tun. Und spüre immer deutlicher, dass ich nicht gefesselt bin! – Dass ich nicht mehr an mich als leblos übersteigerte Gedankenwelt gebunden bin.

„Ich bin in Freiheit gefangen.“ – Das ist das wahre Bild! Ich kann mich nicht aus einer Gefangenschaft befreien, die es nicht gibt. Ich kann nur erkennen, dass die von mir erlebte Gefangenschaft einer sehr verzerrten Sicht auf mich und die Welt entspringt. Zu erleben, was wirklich passiert und wer ich wirklich bin, lässt sich nur in Freiheit erleben. Und damit in vollkommener Freiwilligkeit für mich selbst …