Anwesenheit und Abwesenheit

Wenn wir über den limitierenden, trennenden und widerstrebenden
Mind hinausgehen und den gewohnten mentalen Prozess beenden, wird dieser
Mind geboren sein.

Gib alle Fragen auf, außer einer: Wer bin ich? Die einzige Tatsache, derer Du Dir danach sicher sein kannst ist die, dass Du bist. Das „Ich bin“ ist gewiss. Das „Ich bin Dieses“, nicht. Bemühe Dich herauszufinden, was Du in Wirklichkeit bist.

Der Sucher ist der, der nach sich selbst sucht. Um zu erfahren wer du bist, musst Du zuerst erforschen was Du nicht bist. Entdecke, was Du nicht bist: der Körper, Gefühle, Zeit, Raum, dieses oder jenes … Nichts Konkretes oder Abstraktes, das Du wahrnimmst, kann sein, was Du bist. Der reine Akt der Wahrnehmung zeigt bereits, dass Du nicht bist, was Du wahrnimmst.

Je besser Du verstehst, dass Du auf der Ebene des Verstandes nur in einander ausschließenden Begriffen beschrieben werden kannst, umso schneller  kommst Du an das Ende Deiner Suche und realisierst, dass Du das grenzenlose Sein verkörperst. Bevor etwas ins Sein kommt, muss es jemanden geben, zu dem es kommt. Jede Erscheinung und Nichterscheinung setzt eine Bewegung vor einem bewegungslosen Hintergrund voraus.

Was soll falsch sein an der Suche nach dem Angenehmen und der Vermeidung des Unangenehmen? Der Fluss des Lebens fließt zwischen den Ufern von Schmerz und Freude. Einzig, wenn der Verstand widerstrebt mit dem Fluss des Lebens zu fließen und an den Ufern festhängt, wird das ganze zu einem Problem.

Die Leere des Tiefschlafes beruht auf der Abwesenheit spezifischer Erinnerung. Doch eine generelle Erinnerung an Wohlsein ist da. Es besteht ein Unterschied im Empfinden, wenn wir sagen „Ich habe tief geschlafen“ und „Ich war abwesend“.

Ist es nicht wichtig für Dich zu erfahren ob Du der Körper oder vielleicht etwas ganz anderes bist? Siehst Du nicht, dass all Deine Probleme, die Probleme Deines Körpers sind? Essen, Kleidung, Obdach, Familie, Freunde, Dein Name, Ruhm, Sicherheit, Überleben … All das verliert seine Bedeutung in dem Moment, wenn Du realisierst, dass Du eventuell nicht der bloße Körper bist.

Begehren ist die Erinnerung an Vergnügen. Angst ist die Erinnerung an Schmerz. Beide lassen den Verstand ruhelos sein. Momente des Glücks sind nichts als Lücken im Fluss des Schmerzes. Wie kann der Mind glücklich sein?

Es ist die Illusion der Zeit, die uns von Kausalität sprechen lässt. Wenn die Vergangenheit und die Zukunft in einem zeitlosen Jetzt als Teile eines gemeinsamen Musters gesehen werden, verliert die Idee von Ursache und Wirkung ihre Bedeutung und kreative Freiheit tritt an ihre Stelle.

Wie kann ein unruhiger Mind sich beruhigen? Er kann es natürlich nicht.
Es ist die Natur des Minds, herumzustreunen. Alles, was man tun kann, ist den Fokus des Bewusstseins jenseits des Mind zu richten.

Was geboren wurde, muss sterben. Nur das Ungeborene ist unsterblich. Finde das, was niemals schläft und niemals wacht und dessen helle Reflexion unser Empfinden von „Ich“ ist. Gelegentliche Meditation hat eine große Wirkung auf unseren Charakter. Wir sind Sklaven dessen wir uns nicht bewusst ist, und Meister dessen, wovon wir wissen. Welches Laster oder welche Schwäche wir auch immmer in uns entdecken, wenn wir ihre Mechanismen verstehen, überwinden wir sie durch das reine Wissen.  Das Unbewusste verschwindet, wenn es ins Bewusstsein kommt. Das Verschwinden des Unbewusstsein setzt Energie frei, der Verstand fühlt sich stimmig und wird still.

Liebe ist ein Zustand. Sex ist Energie. Liebe ist weise, Sex ist blind. Sobald die wahre Natur von Liebe und Sex verstanden wurde, gibt es keinen Konflikt und keine Verwirrung mehr. Sex ist eine erworbene Angewohnheit. Geh darüber hinaus. So lange Dein Fukus der Körper ist, verbleibst Du in den Fängen von Essen und Sex, Angst und Tod. Finde Dich selbst und sei frei.

Die Vorstellung, dass irgendeine Sache – Essen, Sex, Macht oder Ruhm, Dich glücklich machen wird, ist Selbstbetrug. Nur etwas so Überwältigendes und Tiefes wie Dein wahres Selbst kann Dich wahrhaftig und anhaltend glücklich machen.

Ich weiß nichts über Wunder, und ich frage mich ob die Natur solche Ausnahmen von ihren Naturgesetzen zulässt. Höchstens dann, wenn wir alles zu einem Wunder erklären. In meinem Verständnis gibt es so etwas wie Wunder nicht.

Es ist nicht Dein wahres Wesen das rastlos ist, aber seine Reflexion im Mind erscheint rastlos, weil der Mind rastlos ist. Es ist wie die Reflexion des Mondes im Wasser, das der Wind bewegt. Der Wind des Begehrens bewegt den Mind und das „Ich“, das nur eine Reflexion des Selbst im Mind ist., erscheint bewegt und veränderlich. Doch diese Ideen von Bewegung, von Rastlosigkeit, von Freude und Schmerz sind alle im Mind.

Das Selbst übersteigt den Mind, es ist gewahr, aber nicht betroffen. Ich negiere die Welt nicht. Ich sehe sie als Erscheinung im Bewusstsein, eingebettet als Totalität des Gewussten in der Unermesslichkeit des Ungewussten.