Ein einziges Erwachen

Ein einziges Erwachen

Vor dem Fenster schneit es. Ich trinke Kaffee. Das Rührei ist kalt. Die Tomaten glänzen auf dem Teller, die Gurke ist in Käse getaucht. Es ist still, bis auf die Uhr, die tickt. Ich blicke hinaus, durch das beschlagene Glas. Ich spüre die Stille der Schneeflocken, die aufeinander fallen, bis eine lockere Schneedecke auf dem kalten Boden entsteht. Ich bin anwesend.

Ich spüre: Es gibt nichts, außer Gewahrsein. Die große Anwe­senheit. Im Schnee, dem alten Walnussbaum, der Straße, den Blättern … überall … Alles ist von ihr durchdrungen. Alles. Alles erscheint in ihr. Die Dinge erscheinen in dieser unfassbaren, intimen Anwesenheit, im alles umspannenden, unauffind­baren „Hier“. Ein gigantischer Gedanke, in Trilliarden Splitter zerfallen. Ein undenkbarer Gedanke, der sich selbst durch alle Augen seiner Erscheinung betrachtet. Je mehr Augen sich ihm eröffnen, um so leuchtender erscheint er. Er erleuchtet sich selbst.

Je stiller es in mir ist, umso deutlicher sehe ich die Kleinheit meiner bisherigen Vorstellungen von mir und der Welt. Umso klarer sehe ich das Gefängnis, indem ich mich verschlossen hielt.

Das falsche Spiel …

Je weniger ich weg will, weg vom jetzigen Augenblick, von „hier“, umso klarer erkenne ich das falsche Spiel, das ich mit mir getrieben habe:

Die Flucht vor mir selbst, als vollkommene Facette des einen unbeschreiblichen Gedankens, der sich durch das hier lokalisierte Gewahrsein selbst erblickt.

Die Splitter sind vereint. Die Auflösung meiner scheinbaren Begrenztheit, mein Erwachen zu mir selbst, ist Teil eines gigantischen Blumenmeeres, dessen Blüten sich nach und nach in der Sonne entfalten, um sich selbst in ihr zu erkennen. Übrig bleibt einzig ein gleißendes, alles irisierendes Erkennen. Das göttliche Strahlen. Die reine Lebendigkeit, von sich selbst vollkommen durchdrungen. Das zu sich selbst erwachte Wachsein.

Erwachen in die Stille

Ich trinke meinen lauwarmen Kaffee, esse vom kalten Rührei, blicke auf den Schnee vor dem Fenster und bin erfüllt von einem stillen Lächeln. Es weitet sich zu einem universellen Lächeln, hocherfreut an seiner eigenen Anwesenheit.

Autorin: Nicole Paskow Aus Neuland – In Resonanz mit dem Leben

(c) Noumenon Verlag

 

Du musst das kosten!

Du musst das kosten!

Es muss in dir ein Verlangen geben,  Selbst-Erforschung aufzugreifen und durchzuführen. Ich frage dich, warum willst du überhaupt irgendetwas wissen?

Weil es da immer noch eine Spur von „ich“ gibt und als ein „ich“ zu leben verursacht Unzufriedenheit.

Hast du das selbst herausgefunden oder hast du das gelernt?     

Das ist, was ich empfinde.

Okay, du fühlst also: solange es „ich“ gibt, gibt es Unzufriedenheit. Für wen besteht diese Unzufriedenheit?

Es ist das „ich“ selbst, dass die Unzufriedenheit darstellt, es ist eine Begrenzung.

Was macht diese Beobachtung, dass das „ich“ selbst die Unzufriedenheit darstellt? Das sind deine Worte. Sag mir, für wen ist es unbefriedigend? Jetzt sprechen wir über Tatsachen. Du sagst also: Es wird beobachtet, dass Unzufriedenheit vorkommt, wo es ein „ich“ gibt. Was beschwert sich? Ist es das „ich“ oder etwas anderes?

Es muss das „ich“ sein.

Es muss das „ich“ sein. Wenn das „ich“ unzufrieden ist, bei wem wird sich das „ich“ beschweren? Also, ist das, was das unzufriedene „ich“ sieht, selbst unzufrieden? Ob da Zufriedenheit ist oder Unzufriedenheit, für wen sind sie da und was beobachtet das?

[Stille]

Dahinterzukommen wem alle Erfahrungen berichten, ist meiner Ansicht nach etwas, worüber man sich klar sein muss. Sonst verwendest du zwangsläufig viel Geld und Energie auf geringere Fragen und erkennst dabei nicht, dass du nichts anderes tust, als deine kostbaren Ressourcen zum Fenster rauszuwerfen. Also prüfe, wo hinein du investierst und schau, ob es das wert ist.

Wenn du fragst, wer weiß, dass das „ich“ Unzufriedenheit ist, kommt sofort die Antwort: Ich bin (es). Mit dieser Frage verlagert sich meine Aufmerksamkeit an den Ort, an dem nur Bewusstsein ist und da ist alles gut.

Schalte genau jetzt einen Gang runter! Wer oder was beobachtet sogar das Bewusstsein? Gehe ich zu weit, indem ich dich das frage?

Lass uns rekapitulieren: Du hast die Frage gestellt: „Wer ist dieses ‚ich‘, das an Unzufriedenheit leidet?“ Du hast berichtet, was du herausgefunden hast: Die Aufmerksamkeit geht vom Gegenstand der Frage weg – „ich“ – und fällt in das natürliche, intuitive Empfinden „Ich bin“. Wenn das passiert, verliert das unzufriedene „ich“ seine Unterscheidung und verblasst in die Nichtexistenz. Alle Erfahrungen, die dem „ich“ bekannt sind, haben dasselbe Schicksal.

Selbst wenn sich das persönliche „ich“ aufgelöst hat, bleibt weiterhin ein Empfinden von „Ich“ zurück. Dieses verbleibende „Ich“ ist unpersönlich. Wir nennen es um der Klarheit willen die Intuition „Ich Bin“. In der Gegenwart von „Ich Bin“ wird das verstörte „ich“, das persönliche „ich“, als nichts weiter als ein Gedanke gesehen.

Meine daran anschließende Frage ist: Kann dieses „Ich Bin“ beobachtet werden?

Es klingt für mich, als ob du möchtest, dass wir noch einen Schritt weiter gehen, wenn du fragst: „Wer ist sich des ‚Ich Bin‘ gewahr?“

Worauf ich hinweise ist etwas, was du bereits mit den Worten „Ich weiß, ich bin“ festgestellt hast. Du weißt, dass du bewusst bist und dass du durch das Bewusstsein erfährst. Bewusstsein und das Funktionieren des Bewusstseins sind wahrnehmbar und werden wahrgenommen. Wer ist der Wahrnehmende dieser großartigen Subtilität?

 [Stille]

Jedes menschliche Wesen sollte das schmecken! Lass alles beiseite. Suche nach nichts, durch das du zu wissen glaubst. Deine Ausbildung wird das nicht unterstützen. Alles was du jemals gelesen und gelernt hast, lass alles sein. Lass alles sein und sei allein. Lass alles beiseite, bis da etwas ist, das nicht beiseite gelassen werden kann und dann sprich von diesem Ort aus. Sprich, wenn du eine Disharmonie finden kannst, wenn etwas fehlt. Kenne diesen Ort, diesen ort-losen Ort. Sei dort bestätigt, dann kannst du dich in der Existenz überallhin bewegen und wirst nirgendwo belastet sein. Entkleide dich aller Konzepte, die du aufgelesen hast. Hab genügend Mut, vollkommen alleine zu stehen und sieh nach, ob es noch irgendwelche ausstehende Fragen gibt.

Kannst du sehen, dass alles Gedanke ist? Alles ist Gedanke! Selbst das großartigste Etwas ist ein Gedanke. Gedanken können ohne dich nicht existieren. Du bist ihr Zeuge. Du bist ihr Abnehmer. Du bist ihr Auftraggeber. Sie sind dir unterstellt und erstatten dir Bericht. Wer bist du? Du musst Das kosten!

Der menschliche Körper ist ein großes Privileg, weil er es uns erlaubt, diese Fragen zu stellen. Keine andere Spezies hat die Fähigkeit der Selbst-Erforschung, aber du hast sie, und du hast die Fähigkeit, es mit Gewissheit herauszufinden. Aufgrund deiner Unzufriedenheit sehnst du dich nach anhaltender Befriedigung. Entdecke, was dich nicht verlassen wird und nicht verlässt. Alles andere wird dich verlassen.

Mit dem Geschenk dieses Körpers hast du die großartige Möglichkeit, die Wahrheit deines Daseins zu entdecken, aber du verschwendest sie, wenn all dein Streben nur dem Körper und der Erfüllung der Sehnsüchte des Verstandes gilt! Ja, wir arbeiten so viel für körperliche Freuden! Aber ebendiesen Körper, den du zum Genießen brauchst, kannst du nicht behalten. Deshalb, alles, womit du dich abplagst, um für fünf oder zehn Minuten einen Geschmack zu haben, wird weggespült. Was ist es, das nicht weggespült werden kann?

An diesem Ort kann ich nicht einmal „Wer bin ich?“ oder „Wer beobachtet das?“ fragen.

Vielen Dank! Danke! Selbst diese Fragen werden nicht auf Resonanz stoßen, aber sie können kommen.

Ultimativ, im letztendlichen Sehen erkennst du, dass alles, was wahrnehmbar ist, veränderlich ist, es erscheint vor dir und kann nicht mit ununterbrochener Aufmerksamkeit gehalten werden; es kommt und geht. Aber das, was dieses beobachtet, ist was? Das ist nicht nur eine mentale Frage, daher wird es eine leichtfertige Antwort nicht tun. Nur solche Antworten, die aus reiner Einsicht kommen, werden diese anhaltende Befriedigung in sich tragen. Du stehst von Angesicht zu Angesicht mit deinem eigenen Selbst. Du stehst von Angesicht zu Angesicht mit deinem eigenen Selbst, wie siehst du aus?

Autor: Mooji Aus Atem des Absoluten

(c) Noumenon Verlag

Setze Dich absolut!

Setze Dich absolut!

Du bist im Leben nicht einfach nur dabei. Du bist Dein Leben. Auch wenn Du das nicht glaubst!
Solange Du glaubst, ent­scheidet Dein Glaube über Dich, solange ist er Dein Schicksal.

Das geglaubte Schicksal entmächtigt Dich immer wieder. Du relativierst Dich und unterstellst Dich
in all Deiner geglaubten Kleinheit und Schwäche einer Kraft, über die Du nur weißt, wie sie sich aus
der Position von Schwäche und Kleinheit darstellt. Damit verschenkst Du die Kraft, von der Du
bisher nicht ent­deckt hast, dass sie zu Dir gehört und machst es Dir in Deiner Kleinheit bequem,
statt mit Kraft und Zuver­sicht zu Dir selbst aufzubrechen.

Überlasse das, was Dich betrifft, niemandem außer Dir. Und was Dich betrifft, wirst Du erst wissen,
wenn Du Dich nicht mehr relativierst und ohne jeden Zweifel erkennst, dass es sich in diesem Leben
um Dich dreht. Du lebst! Relativiere das nicht länger. Erspüre es und halte Dich nicht mehr zurück.
Setze Dich absolut. Es geht um Dich. Du kannst in diesem Leben zu Dir kommen und Dich als
deckungsgleich mit Dir selbst verwirklichen. Du kannst es, wenn Du wirklich einsiehst,
dass Du es kannst.

Das ist der Schmerz in Dir

Dir ist beigebracht worden, dass Du nicht würdig bist, von Menschen, die sich selbst nicht für würdig
hielten. Von Menschen, die etwas anderes gelebt haben, als sie leben wollten. Von Menschen, die
sich selbst so wenig vertraut haben, dass sie Dir nicht vertrauen konnten. Von Menschen, die Dich in
all Deiner Schönheit nicht erkennen und willkommen heißen konnten, weil sie sich selbst nicht erkannt
und willkommen gefühlt haben. Das ist der Schmerz in Dir, der sich auflösen will.

Bist Du bereit, allen Schmerz zurück zu Dir zu holen? Es ist Dein Schmerz! Zugleich bist Du das Bad,
in dem sich dieser Schmerz erlösen und vollkommen auflösen will. Wenn Du Dich zu Dir bekennst.
Darum bekenne Dich. Entscheide Dich. Erkenne Dich! Vertraue Dich dieser Entdeckung an. Das macht
Dich unermesslich schön!

Du bist reine Schönheit, die auf einzigartige Weise in Erfüllung gehen will. In diesem Leben.
Als dieses Leben. Es gibt nichts Heili­geres als dieses Leben!

Autor: Daniel Herbst Aus Neuland – in Resonanz mit dem Leben

(c) Noumenon Verlag