Gott.Mensch.Sein - Cover

Leseprobe

Avadhuta Gita

 

Ich bin frei!
Am Anfang, mitten im Geschehen
und am Ende.
Ich bin niemals gebunden.
Ich bin mir absolut sicher,
dass ich natürlicherweise unauffindbar
makellos und rein bin.
[1.44.]

Das gesamte Universum, dessen Ursprung das Prinzip kosmischer Intelligenz ist,
ist für mich auf keine Weise manifest.
Nichts ist, wie es zu sein scheint.
Tatsächlich ist alles allein Brahman.
Wie kann es für mich dann Lebensstadien oder soziale Zugehörigkeiten geben?
[1.45.]

Ich weiß, dass alles das eine unteilbare „Ich“ ist – ohne Ausnahme.
Es ist selbsterhaltend und erfüllt,
während die fünf Elemente,
angefangen beim Äther,
inhaltslos sind.
[1.46.]

Das Selbst ist weder Mann oder Frau,
noch ist es androgyn.
Es ist weder Intellekt noch Vorstellung.
Wie kannst du dann glauben,
dass das Selbst glückselig oder freudlos ist?
[1.47.]

Natürlich bedarf das Selbst nicht der Reinigung durch die Praxis des sechsgliedrigen Yogas.
Das Selbst wird nicht erst durch die Zerstörungdes Verstandes makellos,
oder durch die Unterweisungen
des Lehrers.
Das Selbst ist die Wahrheit selbst.
Es ist das selbst-leuchtende Eine.
[1.48.]

Es gibt weder einen grobstofflichen Körper,
noch einen nicht verkörperten feinstofflichen Körper.
Wahrlich – alles ist das Selbst allein.
Wie kann es dann die drei Zustände* geben
und einen Vierten*1 ?
[1.49.]

Ich bin nicht gebunden und
auch nicht befreit*.
Weder tue ich, noch genieße ich.
In mir gibt es keine Unterscheidung
zwischen dem Durchdringenden
und dem Durchdrungenen.
Ich bin von Brahman nicht
zu unterscheiden

* Die drei Zustände (des Bewusstseins): Wachzustand, Traumzustand, Tiefschlaf.

*1 Der vierte Zustand (des Bewusstseins): Turiya. Es ist der Zustand, der den
Hintergrund der drei anderen Zustände bildet und sie transzendiert.
Turiya
ist wie tief-tief Schlaf und damit ein Hinweis auf das, was dem Absoluten
am nächsten kommt.

*Das Selbst kann nicht befreit werden, da es niemals gebunden war.

Dattatreya

Reaktionen

Daniel Herbst hat unter Zugrundelegung englischen Übersetzungen die
Avadhuta Gita in nahezu genialer Weise in deutscher Sprache
herausgebracht. Ein großer Wurf, wenn man die immense Bedeutung
dieses Werkes über Freiheit und absolute Unendlichkeit bedenkt.
Alles, was sich über den Zustand jenseits der Getrenntheit mit Worten
andeuten lässt (die große Herausforderung), steht drin. Gut, wenn
man noch einen Schlenker haben will, dann vielleicht noch Huang Po`s
„Der Geist des Zen“.
Mehr ist nicht, mehr braucht es auf spirituellen Gebiet nicht. Deshalb
kaufen, immer wieder drin lesen, nichts erwarten, auflösende Momente
erfahren, bis hin, dass die eigenen Veränderungen dann auch nicht
mehr von einem kontrollierenden Ich wahrgenommen werden.
Eben: „Reine Erkenntnis, alles durchdringend, dem Himmel gleich“.

Anafi Sicht