Gott.Mensch.Sein - Cover

Leseprobe

Das Wunder des Seins

Intimität

Warum geben wir vor, getrennt voneinander zu sein?
Der Grund aller Dinge ist Liebe. Dennoch errichten wir Grenzen und Trennwände und behaupten dann, dass diese Grenzen und Trennwände Teil der natürlichen Ordnung der Dinge sind. Das verleiht der Illusion einer Welt „da draußen“ Gewicht – wo die Welt doch nur ein Spiel aus Licht ist, wie jedes Kind weiß.

Wenn du mit unschuldigen Augen auf die Welt schaust, die wir erschaffen haben, wirst du sehen, dass etwas sehr Merkwürdiges vor sich geht. Menschen, die allermeisten, scheinen verängstigt zu sein, steif, eingeschlossen, festgelegt auf ihren Wegen.

Sie sehen sich selbst als Pfänder des Schicksals in einem deterministischen Universum, als Sklaven ihrer Götter und ihrer Arbeit. Sie leben, als ob die Welt „da draußen“ (was auch immer das heißt) eine Bedeutung dafür hätte, wer und was sie im Augenblick sind.

Mit dieser illusionären Trennung kommen innere Unruhe, Einsamkeit und Langeweile auf. Vielleicht ist das letzten Endes jedoch ein Segen, weil inmitten der Frustration und Verzweiflung eine neue Möglichkeit erscheint.

Wer bist du, gerade jetzt? In wem oder was werden diese Worte gerade empfangen? Wer ist sich in diesem Augenblick der Ansichten und Geräusche in diesem Raum gewahr?

Du? Was ist „du“? Bist du das „Du“, das du vor fünf Jahren warst? Bist du das „Du“, das du warst, als du ein Kind warst? Hat sich dieses „Du“ gewandelt? Und wer ist sich dieser Veränderung bewusst?

Die Idee von dir selbst als Einzelwesen, als Person, als einer Art Wesen mit einer Vergangenheit und Zukunft: Worin erscheint das alles, gerade jetzt? Wenn du ehrlich bist, vollkommen ehrlich, musst du Folgendes zugeben: Da ist niemand.

Da sind Ansichten und Geräusche und Gerüche – nicht die Worte, nicht die Konzepte, sondern die eigentliche Wirklichkeit, auf die diese Worte hinweisen. Dennoch ist da niemand, der sieht, hört und schmeckt.

Nur reinste Wahrnehmung, nur die Rohheit der Erfahrung und nichts mehr. Es ist wahr, die Idee „ich sehe, ich höre, ich rieche“ kann auftauchen, aber das bedeutet, an der eigentlichen Frage vorbeizugehen – wer ist im Zentrum von alldem?

Und was ist mit anderen? Lasst es uns ansehen: Jemand erscheint auf der Bildfläche und dann ist da der Gedanke:
„Da ist eine andere Person, ein anderes Individuum, wie ich, aber getrennt von mir.“

Da beginnt die Gewalt.

Wenn „jemand anderes“ erscheint, habe ich in Wirklichkeit keine Ahnung, was sich da vor mir befindet. Vor der Geschichte, vor den Konzepten hast du keine Möglichkeit zu wissen, worauf
du schaust.

 

 

 

 

Dann spricht diese Person und dann scheinen zwei Individuen das zu führen, was man ein Gespräch nennt, aber gibt es zwischen uns wirklich Trennung? Ist die Trennung nicht nur ein Konstrukt des Denkens? Sind wir nicht dasselbe, du und ich?

Sind wir unter allem, was uns zu trennen scheint (unsere Überzeugungen, unsere Religionen, unsere Philosophien, unsere Erfolge und Misserfolge, unsere Meinungen, unsere Vorurteile usw.), nicht in Liebe miteinander, du und ich? 

Sind wir nicht von einer bedingungslosen Liebe umarmt, die niemandem gehört?
Erscheinen wir nicht in dieser Liebe, zusammen? Ich frage noch einmal: Sind wir nicht in Liebe?

Die Welt geht weiter, und mit ihr die Illusion der Trennung. Wir leben unsere Leben, als ob wir getrennt wären. Das führt zu Isolation, Einsamkeit, Angst, dem Verlangen geliebt zu werden, der Verzweiflung, es nicht zu schaffen, dem Bedürfnis, jemand in der Welt zu sein. Trennung ist Gewalt und Gewalt ist Trennung.

Wäre der Holocaust möglich gewesen, wenn die Nazis nicht die Idee propagiert hätten, dass Juden grundsätzlich verschieden von Ariern sind? War es nicht Trennung und „wir-und-die-Denken“, das dem zugrunde lag? Gilt das nicht für alle Kriege und Genozide? Für alle Gewalt?

Gerade jetzt, weil da kein „Ich“ ist, ist da auch kein „Du“. Ja, diese Vorstellungen können auftauchen, aber letzten Endes erscheinen sie für niemanden. Sie schweben im Bewusstsein, zusammen mit all den visuellen Eindrücken und Geräuschen in diesem Raum, einschließlich des Bildes von deinem Körper. Bevor wir auch nur ein Wort aneinander gerichtet haben, sind wir von einer Liebe ohne Namen umgeben und umarmt.

Vielleicht wird die Teilung niemals geheilt, ich weiß es nicht. Sicherlich geht die Welt weiter und der Wahnsinn der Gewalt geht weiter. Die Gewalt ist Teil des Gefüges, das wir für die menschliche Natur halten und sie kann nicht durch das geheilt werden, was wir „Liebe“ nennen. Nur wenn sich die Gewalt auflöst – mit anderen Worten, wenn sie durchschaut wird – vielleicht, nur dann haben wir eine Chance.

Liebe ist nichts, das wir tun, Liebe ist etwas, das wir sind, aber diese einfache Tatsache scheint durch die Illusion der Trennung verdeckt zu sein. Natürlich ist Liebe niemals wirklich verdeckt – sie ist immer gegenwärtig, immer da, und wir sind immer Liebe. Vielleicht vergessen wir auf unserer Suche danach, „jemand“ in der Welt zu sein, was wir wissen. Vielleicht haben wir als Kinder die Wahrheit gekannt: Dieser – dieser Augenblick – ist alles, was wir haben. In diesem Augenblick und nur in diesem Augenblick, sind wir eins.

Vielleicht ist das Liebe: Dieser Augenblick und alles, was darin erscheint.

Nur vielleicht.

Jeff Foster

Reaktionen

Ich habe selten so ein liebvolles Buch gelesen. Voller Gefühl und Einfachheit.
Es trifft mitten ins Herz und lässt nichts übrig. Die Beschreibungen von Jeff wie Momente in seinem Leben aussehen, was gerade da ist und wie das Wahrgenommen wird, sind einzigartig. Hier wird Schluss gemacht mit dem unerreichbaren Erleuchteten. Hier ist einfach nur dieser Augenblick, indem alles sein darf. Jedes Gefühl und jeder Gedanke. Danke das es solche Bücher gibt.
Ich kann es immer wieder lesen und immer wieder wird etwas neues berührt.

Daniel Taub