Gott.Mensch.Sein - Cover

Leseprobe

Der Gesang des Seins

 Der Satguru

 

Das Selbst ist der wahre Guru.
Wenn du Hilfe brauchst, kommt sie von innen.
Dein ureigentlicher Lehrer ist in dir, hier …
alle Weisheit, alles Wissen ist hier – in dir,
du übersiehst es nur, weil du dich anderweitig
beschäftigt hältst.

Der Satguru ist inwendiges Sein,
meditiere nur auf dein eigenes Sein.
Der Satguru übersteigt alles auf der Welt,
selbst Gott existiert in ihm.
Er ist die WahreBewusstseinsSeligkeit,
lichter als die Sonne;
endlich brauchst du keine Lampe mehr.

Weil du die Sprache des Selbst nicht verstehst,
nimmt der Satguru die Gestalt eines
ansprechbaren Lehrers an.
Glaubst du, dass du einen Körper hast?
Dann brauchst du einen verkörperten Lehrer.
In seiner Nähe überkommt dich der innere
Friede, denn dies ist das Wahrzeichen des
wahren Meisters. In einer Wüste voller
Trugbilder ist er ein schattenspendender Baum.

Von ihm wird das Ego als Trugschluss entlarvt.
Seine Aufgabe ist: »Ich bin in dir«, zu sagen
und die Kraft seiner Überzeugung auf dich zu
übertragen.
Jeder wahre Lehrer sagt: »Blickt nach innen. «
Es gibt keinen Unterschied zwischen euch und
dem wahren Guru.
Permanent verweist er auf den Schatz,
den ihr immer schon besessen habt.
Man erkennt ihn nicht an seinen Worten,
dem Diamantschmuck auf seinem Kopf
oder der Größe seiner Gefolgschaft.

Seine bloße Anwesenheit erfüllt dich mit einem
Frieden, in dem jedes Verlangen, jedes Streben
und jede Verstrickung lächerlich ist,
soviel muss man wissen.
Das Geistfeuer eines Jnanis verbrennt das Haus
der falschen Überzeugungen,
doch wie Kabir schon sagte:
»Kaum einer setzt sich diesem Feuer aus.«

 

 

Der Lehrer hat die Wahrheit erkannt und das
Talent, sie auf ein empfängliches Wesen zu
übertragen, durch einen Blick, eine Berührung,
eine gedankliche Transmission, oder, wie der
Arunachala, durch massives Schweigen.
Still wie ein Bergmassiv ist das reglos
unveränderliche Licht.

Ein wahrer Lehrer hat keine Schüler;
für ihn ist jeder reines Sein,
und was spricht, ist die Stille allein.
Der Große Lehrer verbreitet keine Lehren,
er weiß genau, wie vollkommen ihr seid,
und so lehrt er, dass es keinen Lehrer, keine
Schüler und nichts zu lernen gibt, weil nichts
je existiert hat.

Diese Lehre wird ohne Worte ausgestrahlt
und trifft dich im innersten Herzen.
Wenn du versuchst, dir einen Reim
darauf zu machen, prallt sie lediglich auf
das Mobiliar in deinem Kopf.

Der wahre Lehrer fegt alle Namen und Formen
vom Tisch, während die Prediger gern neue
Konzepte auftischen, und damit die Schlinge um
eure Hälse noch straffer anziehen.

Die Prediger umlagern euch wie Geier das frisch
erlegte Wild. Wahre Lehrer vermitteln nicht
mehr als absorbiert werden kann und schicken
die Leute dann gleich wieder fort.
Deshalb muss jeder Lehrmeister erst gründlich
geprüft werden. Sehr wichtig ist die Übertragungslinie,
auf die er sich beruft:
Schaut euch den Meister eures Lehrers an.
Und die Worte müssen im Einklang mit seinen
Handlungen sein, in allen Sehern singt die Leere
ihr Liebeslied, nicht der Intellekt. Aus der Assoziation
mit dem Intellekt geht keine Selbsterkenntnis hervor.

Bei der Annäherung an das Selbst
wandelt man auf des Messers Schneide:
Zu zweit kommt man hier nicht mehr voran.
Noch nicht einmal ein Gedanke begleitet dich.
Allein gehst du dorthin, wo nur Eins dir noch
übrigbleibt: dein Selbst …

H.W.L. Poonja

Reaktionen

Der Gesang des Seins … ist ein kraftvoller Ausdruck des ekstatischen Fließens der Urkraft, in einem erhebenden und belebenden Strom von Worten des einzigartigen Papaji. Für mich ist dieser leidenschaftliche, hingebungsvolle Tanz in Wortbildern eines der schönsten, strahlendsten Bücher der spirituellen Literatur. Die herzergreifende Poesie lässt den Leser in besonderer Weise eintauchen ins Mysterium des Lebens, der Liebe, des Absoluten.
Herzlichen Dank an den Noumenon Verlag:)

Heide Arnold