Der Mut allein zu stehen


Sie müssen gar nichts tun

 

Frage: U.G., stimmen Sie mit mir überein, dass Sie in einem Zustand leben, der frei von Reibung ist

U.G.: Nicht in Konflikt mit der Gesellschaft – das ist die einzige Wirklichkeit, die ich habe. Die Welt, wie sie heute ist. Die ultimative Wirklichkeit, die sich der Mensch ausgedacht hat, hat nichts mit der Realität dieser Welt zu tun. Solange Sie nach dieser Wirklichkeit suchen, sie verstehen wollen und sie „ultimative Wirklichkeit“ oder sonst wie nennen, werden Sie nicht in der Lage sein, sich mit der Welt zu arrangieren, und zwar genau so, wie sie ist. Deshalb wird alles, was Sie tun, um der Realität dieser Welt zu entfliehen, es Ihnen schwer machen, mit den Dingen um Sie herum in Harmonie zu leben. 

Wir haben eine Vorstellung davon, was Harmonie ist. Wie man mit sich selbst in Frieden lebt – das ist eine Vorstellung. Aber es gibt bereits einen außergewöhnlichen Frieden. Er ist hier. Was es Ihnen schwer macht, mit sich selbst in Frieden zu leben, geht auf die Schöpfung dessen zurück, was Sie „Frieden“ nennen. Es ist ein Zustand, der in keinerlei Beziehung zum natürlichen Funktionieren Ihres Körpers steht.

Wenn Sie sich von der Last befreien, über etwas hinausgehen, es erfassen und erleben zu müssen, um in dieser Wirklichkeit zu sein, dann bemerken Sie, dass es sehr viel schwieriger ist, die Wirklichkeit von irgendetwas zu verstehen. Wissen Sie, Sie haben nicht die Möglichkeit, die Wirklichkeit auch nur irgend-einer Sache zu erfahren. Wenn Sie das verstehen, leben Sie wenigstens nicht mehr in einer Welt voller Illusionen. Sie akzeptieren, dass es nichts gibt und dass Sie nichts tun können, um die Wirklichkeit von irgendetwas zu erfahren, außer der Realität, die uns von der Gesellschaft aufgezwungen worden ist.

Wir müssen diese Realität akzeptieren, so wie sie uns von der Gesellschaft aufgezwungen worden ist, weil es für uns absolut notwendig ist, in dieser Welt auf intelligente und gesunde Weise zu funktionieren. Wenn wir diese Realität nicht akzeptieren, sind wir verloren – dann landen wir im Irrenhaus. Sie müssen die Realität so akzeptieren, wie sie uns von der Kultur, der Gesellschaft oder wie Sie das nennen wollen, aufgezwungen worden ist und dabei gleichzeitig verstehen, dass es nichts gibt, was Sie tun können, um die Wirklichkeit von irgendetwas zu erleben. Dann können Sie sich mit der Gesellschaft nicht in Konflikt befinden. Und dann hört auch das Verlangen auf, etwas anderes sein zu wollen, als das, was Sie sind. 

Das Ziel, das Sie sich gesetzt haben – vielmehr das Ziel, das Sie als das erstrebenswerte Ziel angenommen haben – ist nicht (mehr) vorhanden. Das Verlangen, jemand anders zu sein, als Sie es sind, ist auch nicht mehr vorhanden. Es geht nicht darum, das zu akzeptieren. Aber das Streben nach Zielen, die die Gesellschaft vor uns aufgebaut hat und die wir für die Erstrebenswerten halten, ist nicht mehr vorhanden und damit gibt es auch kein Verlangen mehr, diese Ziele zu erreichen. Also sind Sie, was Sie sind. Die Bewegung hin zu etwas, was Sie nicht sind, gibt es dann nicht mehr. Deshalb sind Sie mit sich selbst auch nicht in Konflikt. Wenn Sie keine Konflikte mit sich selbst haben, können Sie auch nicht mehr gegen die Sie umgebende Gesellschaft ankämpfen.

Solange Sie mit sich selbst nicht in Frieden sind, können Sie es auch nicht mit anderen sein. Und selbst dann gibt es keine Garantie dafür, dass ihre Nachbarn friedlich sind. Aber davon werden Sie nicht behelligt, verstehen Sie? Wenn Sie mit sich selbst in Frieden sind, dann sind Sie eine Bedrohung für die Gesellschaft, so wie sie sich heute darstellt. Sie werden auch zur Bedrohung für Ihre Nachbarn, weil sie die Wirklichkeit der Welt für wirklich halten und dabei einem merkwürdigen Ding namens „Frieden“ nachlaufen. Damit werden Sie zu einer Bedrohung für die Existenz Ihrer Nachbarn, für die Art, wie sich Ihre Nachbarn selbst kennen und erfahren. Also sind Sie ganz allein – das ist nicht das Alleinsein, das man zu vermeiden sucht – Sie sind wirklich allein. 

Es ist nicht die letztendliche Wirklichkeit, die einen wirklich interessiert oder die Techniken, Systeme und Methoden die man benutzt, um das Ziel – welches auch immer – zu erreichen. Es geht einzig darum, dass der Motor läuft. Die Lehren der Gurus, die Lehren der Heiligen und die unzähligen Techniken werden Ihnen nicht die Energie verschaffen, nach der sie suchen. Aber dieses hier, wenn diese Bewegung nicht da ist, wird das die vorhandene Energie befreien und in Gang setzen. Es muss nicht die Lehre eines Heiligen sein. Es muss keine Technik sein, die von Menschen erdacht worden ist. Weil es dort keine Reibung gibt – Sie wissen wirklich nicht, was es ist.  

Die Bewegung dort und die Bewegung hier, sie sind ein und dieselbe – da ist diese Energie. Deshalb sagt man, dass es mechanische Energie ist. Aber das (der Körper) ist auch eine mechanische Energie. Das ist auch eine Maschine. Die menschliche Maschine unterscheidet sich nicht von der „da draußen“ – beide befinden sich miteinander im Einklang. Die Energie, die dort wirkt, wirkt auch hier. Deshalb ist jede Energie, die Sie durch das Praktizieren einer Technik erfahren, eine Energie, der Reibung zugrunde liegt. Diese Energie wird durch die Reibung des Denkens erzeugt – das Verlangen, diese Energie zu erleben ist für die von Ihnen erlebte Energie verantwortlich. Aber diese Energie ist etwas, was überhaupt nicht erfahren werden kann. Sie ist einfach nur ein Ausdruck des Lebens, eine Offenbarung des Lebens.

Sie müssen nichts tun. Alles, was Sie machen, um das zu erfahren, hindert die Energie, die bereits da ist, die ein Ausdruck des Lebens ist, die die Manifestation des Lebens ist, daran zu funktionieren. Aber sie hat keinen Wert in Begriffen der Werte, die wir unseren Handlungen schenken – den Techniken, Meditation, Yoga und all so etwas. Ich habe gegen nichts von diesen Dingen etwas. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Aber das sind nicht die Mittel, um das Ziel zu erreichen, das Sie sich selbst gesetzt haben – das Ziel selbst ist falsch. Wenn die Beweglichkeit des Körpers das von Ihnen angestrebte Ziel ist, dann ist wahr-scheinlich Yoga die Technik, die helfen wird, Ihren Körper beweglich zu halten. Aber das ist nicht das Instrument, um Erleuchtung zu erlangen oder Transformation oder wie Sie das auch nennen möchten. Selbst Meditationstechniken sind Handlungen, die selbstbezogen sind. Sie nutzen ausschließlich selbst-erhaltende Mechanismen. Also wird das Objekt Ihrer Suche – die Suche nach der letztendlichen Wirklich-keit – durch eben diese Techniken vereitelt, weil diese Techniken Instrumente sind, die sich selbst erhalten. Sie werden plötzlich erkennen oder es wird Ihnen dämmern, dass auch die Suche nach der ultimativen Wirklichkeit ein sich selbst erhaltender Mechanismus ist. Es gibt nichts zu erreichen,
nichts zu gewinnen, nichts.   

 

Sri Siddharameshwar Maharaj-Der Schluessel zur Selbst-Verwirklichung-Buchcover im Noumenon Verlag

Ich liebe diese klare, eindeutige Sprache von U.G. Das ist manchmal echt der Hammer und es folgt bei mir ein Freiheitsgefühl.
Sein kurzes Vorwort, beginnend mit „Mein Teaching – wenn es die Bezeichnung ist, die Sie verwenden wollen – hat kein Copyright“ und weiter (in meinen Worten verkürzt ausgedrückt): Sie können damit machen, was Sie wollen“ spricht für sich.
Ganz vortrefflich finde ich z.B. seine Erläuterungen bezüglich des Körpers, wie wir uns da auf schädliche Weise einmischen und wie wenig hilfreich wir mit den psychologischen Problemen umgehen.

Für mich war das Buch ein einziger Genuss. Zwischendurch überfiel mich eine Anwandlung, vor Dankbarkeit fast auf die Knie fallen zu wollen (eine Hingabeanwandlung).

Für Anfänger in dieser Materie ist es möglicherweise zu hammermäßig.

Traude

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Noumenon Verlag
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