Gott.Mensch.Sein - Cover

Leseprobe

Der Nektar der Unsterblichkeit

MAHARAJ: Das Sein kann in der Welt nur mithilfe des
Körpers handeln. Der Körper ist die Quintessenz der fünf
Elemente und die Quintessenz der Körperessenz ist das
Wissen „Ich bin“. In der Abwesenheit einer Körperform
kann sich das Sein nicht selbst kennen. Deshalb sollten Sie
nur am innewohnenden Prinzip, dem Sein, festhalten.

Das Potenzial für alle Handlungen ruht mit dem Sein, das sich in
verborgener Form in den Säften des Nahrungskörpers befindet. Diese Säfte gehen von den fünf Elementen aus. Das vorherrschende Prinzip des gesamten Ablaufs ist das Wissen „Ich bin“. Es ist die Quintessenz des aus den fünf Elementen bestehenden Körpers.

Das Wissen „Ich bin“ muss richtig verstanden werden. Das Sein, der belebende Atem und der Verstand sind formlos. Aufgrund des Flusses der fünf Elemente werden verschiedene Körperformen der mannigfaltigen Spezies erschaffen. Wenn der belebende Atem die verschiedenen Körperformen durchströmt, drückt sich das Sein auch durch sie aus.

Pflanzenessenz, die Sattva genannt wird, fließt in die Erschaffung der verschiedenen Körper der Spezies ein. Und in den Körpern wohnt das sattvische Seinsempfinden. Jeder Spezies ist entsprechend ihrer Gestalt oder Form ein Name gegeben worden.

Der Ausdruck und die Handlungen der Spezies variieren entsprechend ihrer Körperformen. Von allen Spezies ist der Mensch am Höchsten entwickelt. Das qualifiziert ihn für den Titel Ishwara, Gott.

Mit der Arbeitsaufnahme des belebenden Atems beginnt der Gedankenfluss im Menschen und Handlungen werden entsprechend der Samskaras, der Eindrücke ausgeführt, die vom Verstand von außen aufgenommen worden sind.

Ein Körper kann dunkel sein, hellhäutig, groß oder klein,
aber das innewohnende Prinzip – das Wissen „Ich bin“ –
hat keine Farbe oder Dimension, genauso wenig wie der
belebende Atem und der Verstand.

Es ist nur ein „Empfinden von Gegenwart“, ein Gefühl von Überschwänglichkeit. Und der Verstand funktioniert wie das Vehikel oder Medium des Gegenwartsempfindens, um die weltlichen Handlungen auszuführen.

Sie wollen meditieren und deshalb sollten Sie es auch.
Wirkliche Meditation bedeutet, im Seinsempfinden zu
verbleiben. 

 

 

In Wirklichkeit bedeutet Meditation, dass das
Seinsempfinden an sich selbst festhält. Es wird gesagt,
dass man nach dem Tod in den Himmel oder
in die Hölle kommt.

Aber das ist nichts als ein Konzept, bloßes Hörensagen. Wenn ein Körper gestorben ist, verliert Atman, das Innewohnende, das Seinsempfinden, die Erinnerung an das Sein und weiß nicht, dass „es ist“. In diesem Zustand gibt es keinen Schlaf, kein Wachsein und kein Wissen.

Sie sollten das klar verstehen. Wenn man denkt, dass man
der Körper ist, wird man zum Sklaven des Verstandes und
leidet dementsprechend. Deshalb sollten Sie sich selbst
vollständig mit dem höchsten Prinzip in sich identifizieren,
mit dem Wissen „Ich bin“.

Das wird Sie in den Stand von Brihaspati erheben – den Guru der Götter. Sie glauben, dass Sie jemand sind; aber Sie sind nichts dergleichen. Das Seinsempfinden wird infolge des all-durchdringenden Absoluten durch den Körper ausgedrückt. Dieses Seinsempfinden ist zutiefst in sich selbst vernarrt und
wird Atma-prem genannt, Selbst-Liebe. Es wird auch Guna,
Shiva und Brahman genannt.

Es ist die Selbst-Liebe, die durch verschiedene Körper arbeitet. Da es nur dieses Prinzip gibt, das sich selbst auf verschiedene Arten und durch die verschiedenen Vehikel ausdrückt, gibt es kein „ich“ kein „du“ und kein „er“. Wenn der Körper stirbt, zerfällt er in die zugrunde liegenden Elemente; und der belebende Atem, Prana, mischt sich mit der universellen Luft.

Und das Guna – das heißt das Seinsempfinden – wird augenblicklich Nirguna oder Nicht-Sein, gerade so, wie eine
Flamme augenblicklich erlischt. Bitte hören Sie meinen
Worten aufmerksam zu. Wenn es keinen belebenden Atem gibt, hat das Guna keine Seinsqualität.

Nur solange das Guna existiert, treffen so große Titel wie Shiva, Brahma und Vishnu zu. Ohne Prana, den belebenden Atem, gibt es keine Bewegung oder dynamische Qualität, weder eine des Körpers und noch nicht einmal eine von Guna.

Kurz gesagt, wenn sein lieber Freund und Begleiter, Prana, einen Körper verlässt, löst sich das vorherrschende Prinzip, Guna, auch in Luft auf. In einem Haufen Getreide steckt latentes Bewusstsein und in der Gegenwart günstiger Bedingungen, wird es sich entsprechend der Form und Beschaffenheit der Spezies offenbar.

Nisargadatta Maharaj

Reaktionen

Zunächst mal großen Dank an den Noumenon Verlag, an Daniel Herbst, der dankenswerterweise der dieses ins Deutsche übersetzt hat.
Ich lese so gut wie alles, was ich bezüglich Advaita, um mal diesen Oberbegriff zu verwenden, in die Finger bekomme. Das was mich am meisten anzieht und beglückt sind die, bisher vom Noumenon-Verlag übersetzten Bücher von Sri Nisargadatta Maharaj (aus seinen letzten Lebensjahren).
Der Titel des Buches trifft es: Es ist wirklich Nektar vom Feinsten und Höchsten, Tiefsten, vor allem Unbenennbaren. Großartig und wunderbar von Daniel Herbst übersetzt. Möglicherweise nicht so gut geeignet für Leser, die sich mit diesem Gebiet noch nicht beschäftigt haben, aber wer weiß. Zu hoffen ist, dass auch die drei restlichen Nisargadatta-Bücher von Robert Powell und Jean Dunn bald auf Deutsch vorliegen.

Traude