Vor dem Fenster schneit es. Ich trinke Kaffee. Das Rührei ist kalt. Die Tomaten glänzen auf dem Teller, die Gurke ist in Käse getaucht. Es ist still, bis auf die Uhr, die tickt. Ich blicke hinaus, durch das beschlagene Glas. Ich spüre die Stille der Schneeflocken, die aufeinander fallen, bis eine lockere Schneedecke auf dem kalten Boden entsteht. Ich bin anwesend.

Ich spüre: Es gibt nichts, außer Gewahrsein. Die große Anwe­senheit. Im Schnee, dem alten Walnussbaum, der Straße, den Blättern … überall … Alles ist von ihr durchdrungen. Alles. Alles erscheint in ihr. Die Dinge erscheinen in dieser unfassbaren, intimen Anwesenheit, im alles umspannenden, unauffind­baren „Hier“. Ein gigantischer Gedanke, in Trilliarden Splitter zerfallen. Ein undenkbarer Gedanke, der sich selbst durch alle Augen seiner Erscheinung betrachtet. Je mehr Augen sich ihm eröffnen, um so leuchtender erscheint er. Er erleuchtet sich selbst.

Je stiller es in mir ist, umso deutlicher sehe ich die Kleinheit meiner bisherigen Vorstellungen von mir und der Welt. Umso klarer sehe ich das Gefängnis, indem ich mich verschlossen hielt.

Das falsche Spiel …

Je weniger ich weg will, weg vom jetzigen Augenblick, von „hier“, umso klarer erkenne ich das falsche Spiel, das ich mit mir getrieben habe:

Die Flucht vor mir selbst, als vollkommene Facette des einen unbeschreiblichen Gedankens, der sich durch das hier lokalisierte Gewahrsein selbst erblickt.

Die Splitter sind vereint. Die Auflösung meiner scheinbaren Begrenztheit, mein Erwachen zu mir selbst, ist Teil eines gigantischen Blumenmeeres, dessen Blüten sich nach und nach in der Sonne entfalten, um sich selbst in ihr zu erkennen. Übrig bleibt einzig ein gleißendes, alles irisierendes Erkennen. Das göttliche Strahlen. Die reine Lebendigkeit, von sich selbst vollkommen durchdrungen. Das zu sich selbst erwachte Wachsein.

Erwachen in die Stille

Ich trinke meinen lauwarmen Kaffee, esse vom kalten Rührei, blicke auf den Schnee vor dem Fenster und bin erfüllt von einem stillen Lächeln. Es weitet sich zu einem universellen Lächeln, hocherfreut an seiner eigenen Anwesenheit.

Autorin: Nicole Paskow (Aus Neuland – In Resonanz mit dem Leben)

(c) Noumenon Verlag