Eine außergewöhnliche Abwesenheit

Die Suche nach Zuhause

Lasst uns gleich an die Wurzel davon gehen:
Das scheint niemals genug zu sein.

Was jetzt gerade passiert, der gegenwärtige Moment, das – es scheint niemals genug zu sein. Auf Millionen verschiedene Weisen verbringen wir unser Leben damit, zu suchen, zu forschen, zu wollen.

Wir wollen mehr, etwas anderes.
Etwas anderes als das, was passiert.
Etwas – in der Zukunft – das uns befriedigen, vervollständigen, retten wird.
Nach Antworten suchend,
machen wir uns mit den Fragen selbst verrückt.

Wir scheinen niemals in der Lage zu sein, einfach hier zur Ruhe zu kommen und voll in das hinein zu entspannen, was passiert. Es gibt den ständigen Zug in einen zukünftigen Moment, dahin, wo die Dinge besser sind. Und wenn unsere Aufmerksamkeit so auf die Zukunft – und ihre Reflexion, die Vergangenheit – fixiert ist, wird das, was gegenwärtig passiert, letzten Endes auf einen Moment unter vielen reduziert. Wir hoffen, dass künftige Augenblicke besser sein werden als dieser. Wir scheinen mit dem einfach niemals zufrieden zu sein.

Wir suchen alle etwas

Das ist, was ich die Suche nenne. Wir suchen alle nach etwas. Und die Suche selbst zeigt sich auf Millionen verschiedene Weisen. In der sogenannten materiellen Welt jagen wir dem Geld hinterher, dem Glück, Status, besseren oder erfüllenderen Beziehungen, einem stärkeren Selbstwertgefühl. Mehr Gütern. Mehr Sicherheit. In der materiellen Welt ist es sehr wichtig zu wissen, wer du bist. Dein Schicksal zu erfüllen. Dein Leben funktionieren zu lassen. Deine Ziele und Ambitionen zu erreichen. Erfolg zu haben. Es ist die Jagd danach, jemand in der Welt zu sein. Etwas aus deinem Leben zu machen, bevor du stirbst.

Meistens erfüllt uns die sogenannte materielle Welt nicht. Und so mögen wir uns spirituellen Lehren zuwenden. Jetzt ist das Ziel nicht mehr, Millionen auf der Bank zu haben, oder ein schnelleres Auto, oder eine erfüllendere Ehe. Jetzt ist das Ziel aufzuwachen. Jetzt ist das Ziel die Erleuchtung. Jetzt wollen wir statt eines neuen Autos den Zustand des Bewusstseins verändern. Statt einer neuen Beziehung wollen wir fortwährende Glückseligkeit. Statt weltlichen Erfolg wollen wir Erleuchtung, wir wollen etwas verlieren, das sich Ego nennt, wir wollen etwas transzendieren, das sich Verstand nennt.

Materielles Streben, spirituelles Streben, all das ist Streben. Ob es dabei um die Suche nach materiellem Reichtum geht oder um die spirituelle Erleuchtung, es ist alles dasselbe Streben, dieselbe Bewegung des Denkens. Es ist die Bewegung in eine nicht existierende Zukunft hinein. Es ist die Suche nach etwas in der Zukunft, nach mir. Ja, was direkt an die Wurzel des ganzen Strebens geht, ist das „Ich“. Wir wollen die Millionen Euro auf der Bank für mich, und wir wollen die spirituelle Erleuchtung für mich. Mich, mich, mich!

An der Wurzel aller lebenslangen Suche liegt das Empfinden, dass hier ein Individuum ist, ein getrenntes Ich, ein gesondertes Selbst, eine eigene Person.

Ein gesondertes Wesen

Es ist das Gefühl, ein vom Leben gesondertes Wesen zu sein, getrennt davon. Getrennt von anderen, getrennt von der Welt. Getrennt von der Quelle.

An der Wurzel der ganzen Suche einer Lebenszeit liegt das Gefühl, nicht ganz zu sein. Unvollständig zu sein. Fragmentiert. Verloren. Befremdet. Voller Heimweh.

Für das getrennte Individuum scheint das Gefühl des Mangels in jeden Bereich seines Lebens einzusickern. Niemals genug, niemals genug, das ist das Mantra des getrennten Selbst. Und das Gefühl des Mangels ist nicht nur eine intellektuelle Angelegenheit. Es ist nicht einfach nur ein Glaube. Es ist ein zutiefst empfundenes Gefühl, nicht zuhause zu sein, ein Gefühl, das alle Erfahrungen beeinflusst.

Einst waren wir zuhause, und jetzt sind wir es nicht. Als gesonderte Individuen leben wir gequält von der vagen Erinnerung an eine Vertrautheit, die wir nicht benennen können.

Eine unerklärliche Sehnsucht

Es ist so wie es war, als du ein kleines Kind warst und deine Mutter dich allein im Zimmer gelassen hat. Du wusstest nicht, wo sie hingegangen war und plötzlich überkam dich eine Sehnsucht, ein Heimweh, das du nicht erklären konntest, das aber direkt zum Kern dessen zu gehen schien, wer oder was du bist.

Diese Sehnsucht trifft genau ins Herz dessen, was es bedeutet, eine getrennte Person zu sein.

Wie wir noch sehen werden, ist es dennoch nicht die Mutter, die wir wirklich wollen. Sie ist nur ein Symbol für etwas weitaus Größeres. Alles verlangt danach, nach Hause zu kommen, zurück zur Quelle, zurück zum Ozean. Zurück zu dem, was wir waren, bevor all das passiert ist.

Deshalb hast du im Moment der Trennung auch Sehnsucht. Es ist die Sehnsucht nach dem Ende des Getrenntseins. Um das Getrennte zu heilen. Um das Gefühl des Zusammengezogen-seins zu beenden und wieder in die ungeheure Weite zu expandieren.

Verliere Deine Welt und …

Es ist die Welle, die sich danach sehnt, wieder in den Ozean hinein zusammenzubrechen. Aber – was die Welle natürlich nicht erkennen kann ist, dass es niemals eine vom Ozean getrennte Welle gegeben hat. Die Welle war immer eine perfekte Manifestation des Ozeans. Sie war immer zu einhundert Prozent Wasser. Sie war immer klitschnass. Durchnässtes Dasein.

Du bist niemals vom Ozean getrennt gewesen. Du bist zu keiner Zeit vom Ganzen abgesondert gewesen. Das war der Traum der Trennung. Und die Suche des ganzen Lebens war immer die Suche nach dem Zuhause.

Aber natürlich wurde das niemals erkannt. Die Sehnsucht nach Zuhause hat sich immer im Verlangen nach einem neuen Auto, nach mehr Geld, nach diesem Mann oder dieser Frau ausgedrückt. Die Sehnsucht hat sich selbst auf einer sehr weltlichen Ebene gespielt, obwohl du dich heimlich immer danach gesehnt hast, deine Welt zu verlieren und in das Leben selbst hineinzuspringen.

 

 

Ich LIEBE dieses Buch! Vor ein paar Monaten habe ich es gelesen und es brachte mich bereits damals immer wieder bereits beim reinen LESEN (!) in die Weite des EINS-Erlebens.


Er findet sehr poetische anmutende Sätze, um zu beschreiben, was SEHEN ist und wie er das EINE nach seinem Shift empfindet. Und diese begeisterten Zeilen kommen jetzt von mir, die ich eigentlich keine Poesie-Freundin bin. Es ist allerdings eher weniger geeignet für Menschen, die noch nie vorher mit Advaita/Nondualität zu tun hatten.

Dieses Mal wollte ich auch erst einmal abwarten, ob die Begeisterung bleibt, bevor ich einen Tipp abgebe. Und jetzt war der Impuls öfter da – und voilá – hier stehen plötzlich Worte von Jeff für den, der sie hier lesen mag:

Das SEHEN war immer da.
Es ist gerade jetzt da.
Es ist gerade jetzt hier.
Es liest diese Worte.

Nada

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