Erstes und Letztes

Interview mit Karl Renz für dieses Buch

 

Teil 1

Daniel: Dein indischer Herausgeber Manjit Achhra sieht in dir die moderne Übersetzung von Dattatreya, der die Avadhuta Gita verfasst hat. Er ist der Meinung, dass sich die von dir gesprochenen Worte und dieses fast hymnische Werk gegenseitig beflügeln, weil sie aus derselben Quelle schöpfen. Ich war oft auch ziemlich überrascht, wie sehr sich die von dir in Worte gefassten „Nichtigkeiten“ mit Dattatreyas Sicht auf die Welt „decken“. Was ist die Avadhuta Gita für Dich?    

Karl: Erst in Mumbai bin ich von Manjit Achhra auf die Avadhuta Gita aufmerksam gemacht worden. Ich hatte vorher noch nie von ihr gehört. Die Avadhuta Gita fühlt sich mehr als familiär an. Es ist, als wenn das, was Dattatreya sagt, ebenso aus der Zeitlosigkeit kommt, wie das, was sich durch mich formuliert. Und das kann seiner Natur nach auch nicht verschieden sein. Nur der Lautsprecher formt es hier als Karl in etwas anderen Nuancen. Ein ewiges Selbstgespräch.

Ich habe den Eindruck, als seist Du fast milde geworden. Milde, dabei aber von einer immer unbestechlicheren und immer einschließenderen Klarheit. Es sieht ganz danach aus, als seien Dein Herz und Dein Geist eher in Asien als in Europa zu Hause. Du bist ja auch gerade wieder auf dem Weg nach Mumbai …

Ja, es scheint, der Hammer ist zum scharfen Schwert mutiert, das alle Konzepte zerstört, nur indem es anwesend ist. Dieser Sanftmut des absoluten Intellekts (!) wird als mild erfahren. Er muss nichts durchdringen, um zu wirken, weil er das Alles-Bewirkende ist. Er entzündet das Feuer der Selbsterkenntnis von innen und außen. Und – ja im Moment scheint dieser Körper und Geist mehr in Asien und besonders in Indien zu Hause zu sein. Zurück zu den Wurzeln?!

Was ist Indien für Dich? Was stellt es im kosmischen Hologramm dar?

In den Siebzigern, in der Zeit meiner Castaneda und Peyote Erfahrungen, hatte ich viele Träume, in denen mir alte, weiß gekleidete Männer alle möglichen Sachen zeigten. Ich dachte immer, dass sie aus Mexiko kämen, bis ich Anfang der Neunziger Fotos von Ramana, Nisargadatta und einigen anderen sah. Dann wusste ich, dass es doch eher Indien ist, was die Wurzel meiner Erfahrungen anbetrifft. Somit ist Indien für mich mein Herz oder meine Seele – was aber nicht auf das Land zutrifft, und der Arunachala ist das Licht und das Feuer des Seins, das in allem brennt. Wie Athen das Olympische Feuer bewahrt, bewahrt Indien das Feuer des Gewahrseins, in diesem Traum der Verwirklichung.

Den Griechen ist dann aber doch aller Sportsgeist abhandengekommen … Und trotz dieses Feuers gibt es die Welterfahrung. In einfachen Worten: Was stellt sich im Traum der Verwirklichung dar?

Haha … – und die Inder werden immer mehr verwestlicht. Doch trotz der Verführungen durch den Westen scheinen sie ihre Aufmerksamkeit für das Wesentliche nicht verloren zu haben. Was für ein Spagat! Die Wirklichkeit – oder das Selbst als der absolute Träumer – verwirklicht oder träumt sich als absolute Manifestation. Darin erfährt oder verwirklicht ES sich absolut – als Alles und als Nichts. Und alles hat im Tanz des Seins seinen Platz.

Dann lass uns einfach weitertanzen …

Hamburg – Mallorca

August 2014

 

Karl Renz-Erstes und Letztes-Buchcover im Noumenon Verlag

Was soll man sagen?! Karl ! und Daniel !
Wieder ein Meisterwerk. Ich verschlinge ja alles, was es von Karl gibt, finde aber die beiden, von Daniel Herbst übersetzten Bücher, besonders gelungen.

So schön und ansprechend gemacht: die den Kapiteln jeweils vorangestellten Zeilen aus der Avadhuta Gita und obwohl ich Sanskrit nicht lesen kann, hat es was, dass die Zitate auch in dieser Sprache geschrieben stehen. Also alleine im Buch zu blättern macht Freude.

Zu Karls Worten selbst, geht mir so langsam die Sprache aus. Zwischendurch dachte ich, ich sollte es am besten im Hintersten des Kleiderschranks verstecken – wie sagte agusigida u.a. in seiner Rezension „ich zittere“.

Ich erspare mir weitere Worte – Sprachlosigkeit und Gnade.
Hier doch noch zwei Sätze von Karl „Aber der Scheiß ist, was du bist! Und du glaubst, du müsstest deinen Kopf über dem Scheiß halten. Jedem, der seinen Kopf über die Scheiße erhebt, schneide ich ihn ab.“

Lasst es euch nicht entgehen. Absolute Kaufempfehlung.

Traude

Adresse

Noumenon Verlag
Lornsenstraße 14
22767 Hamburg 

Abonnieren