In Gnade fallen

Aus der Matrix des Leidens herauskommen

Also, wie geht’s da raus? Wie verhindern wir, uns in unseren eigenen Gedanken, Projektionen, Überzeugungen und Meinungen zu verlieren? Wie fangen wir an, unseren Weg aus der umfassenden Matrix des Leidens herauszufinden? Zunächst müssen wir eine einfache, aber sehr machtvolle Beobachtung machen: Alle Gedanken – gute Gedanken, schlechte Gedanken, liebenswürdige Gedanken, teuflische Gedanken – tauchen in etwas auf. Alle Gedanken erscheinen und lösen sich im unermesslichen Raum auf.

Wenn du deinen Verstand beobachtest, wirst du bemerken, dass alle Gedanken von selbst auftauchen – sie tauchen ohne Absicht deinerseits auf. Als Reaktion darauf ist uns beigebracht worden, sie zu erfassen und uns mit ihnen zu identifizieren. Aber wenn wir nur für einen Augenblick auf die ängstliche Tendenz verzichten, unsere Gedanken zu erfassen, dann bemerken wir etwas sehr tiefgreifendes: Dass Gedanken spontan und von selbst im weiten Raum erscheinen und sich aufführen. Genau genommen taucht der lärmende Verstand innerhalb einer sehr, sehr tiefen Empfindung von Stille auf.

Das mag beim ersten Hinschauen nicht offensichtlich sein, weil wir daran gewöhnt sind, an Stille und Ruhe in Begriffen der äußeren Umgebung zu denken: Ist es bei mir zu Hause ruhig? Hat der Hund des Nachbarn aufgehört zu bellen? Ist der Fernseher aus? Oder wir neigen dazu, an Stille in Begriffen des Innern zu denken: Ist mein Verstand aufgewühlt? Sind meine Gefühle abgeklungen? Fühle ich mich sicher? Aber die Ruhe 22 oder Stille, von der ich spreche, ist keine relative Stille. Sie ist nicht die Abwesenheit von Lärm, nicht einmal vom mentalen Getöse.

Der Lärm innerhalb der Stille

Dabei geht es vielmehr darum zu bemerken, dass es da eine Stille gibt, die immer gegenwärtig ist und dass der Lärm innerhalb der Stille passiert – sogar der Lärm des Verstandes. Du kannst anfangen zu erkennen, dass alle Gedanken vor dem Hintergrund der absoluten Stille auftauchen. Gedanken tauchen buchstäblich in einer gedankenlosen Welt auf – jede Idee erscheint in einem unendlichen Raum. Wenn wir fortfahren, auf die Natur der Gedanken zu schauen und im Besonderen darauf, wer oder was sich des Auftauchens der Gedanken gewahr ist, sind die meisten von uns vollkommen überzeugt: „Ich bin derjenige, der das Denken wahrnimmt.“

Das ist es, was uns beigebracht worden ist und was wir natürlicherweise annahmen – dass „du“ und „ich“ als voneinander getrennte Individuen diejenigen sind, die unsere Gedanken „denken“. Wer sonst sollte sie denken? Aber wenn du genau schaust, wirst du feststellen, dass es eigentlich nicht wahr ist, dass du derjenige bist, der denkt. Denken passiert einfach. Es passiert, ob du willst oder nicht und es hält an, ob du willst oder nicht. Wenn du anfängst, den Prozess zu erkennen, kann es ein ziemlicher Schock sein, dass dein Verstand aus sich selbst heraus denkt und von selbst damit aufhört. Wenn du aufhörst, deinen Verstand kontrollieren zu wollen, wirst du bemerken, dass Gedanken in einem unendlich weiten Raum auftauchen.

Wenn wir unsere Gedanken glauben …

Das ist eine außerordentliche Entdeckung, weil sie uns zeigt, dass da etwas anderes gegenwärtig ist als der Gedanke und dass wir nicht einfach der nächste Gedanke sind, den wir in unserem Verstand haben. Wenn wir unseren Gedanken glauben, wenn wir auf der tiefsten Ebene glauben, dass sie tatsächlich mit der Realität identisch sind, können wir bemerken, wie das direkt zu Frustration, Unzufriedenheit und letzten Endes zu Leiden auf vielerlei Weise führt. Diese Realisation ist der erste Schritt, um das Leid aufzulösen.

Es gibt jedoch noch etwas, das gesehen werden muss – etwas noch Grundlegenderes. Diese tiefere Realisation kommt lange nachdem wir unsere Meinungen gebildet haben, unsere Überzeugungen, unsere Fähigkeit zu konzeptualisieren. Warum halten wir uns selbst dann noch so sehr und mit solcher Vehemenz an unserem Verstand fest, wenn wir angefangen haben einzusehen, dass es unser Verstand ist, der uns leiden lässt? Warum halten wir immer noch in einem solchen Ausmaß an der Identifikation fest, dass es sich manchmal so anfühlt, als ob sie an uns festhalten würde?

Einer der Gründe, warum wir das tun ist, weil wir glauben, dass der Inhalt unseres Verstandes – unsere Überzeugungen, unsere Ideen, unsere Meinungen – wirklich ist, wer wir sind. Das ist die wesentliche Illusion: Dass ich bin, was ich denke, dass ich bin, was ich glaube, dass ich meine besondere Anschauungsweise bin. Aber um uns zu helfen, diese Illusion zu durchschauen, ist es von Nutzen, sogar noch tiefer zu schauen – in das hinein, was uns die Welt so sehen lässt.

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Ein tolles Buch, was immer wieder inspiriert und mich erinnert was wirklich ist.
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Er greift die ganzen kleinen und großen Spiele das Egos auf, sie werden nicht verdammt und in den Keller verbannt, sondern Adyashanti ermutigt genau hinzuschauen und zu akzeptieren was da ist, um dann in der Lage zu sein, hindurchzuschauen auf das große und unendliche Spiel des Seins. Wunderschön.
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