Meister der Selbstverwirklichung

Der Körper ist nicht „Ich“

 

Nur „Einer“ erleuchtet den Verstand, den Intellekt, alle Sinnesorgane und ihre Objekte. Es ist bloß eine falsche Vorstellung, dass er „jemand“ ist. Wenn du die Idee aufrechterhältst, dass du ein Körper bist, dann sieht es so aus, als ob der Körper alles tut – Essen, Trinken etc. Das wird Unwissenheit genannt. Das irrtümliche Konzept, dass „ich der Körper bin“, ruft das Individuum (Jiva) hervor, und das Gefühl, dass „ich nicht der Körper bin“, macht aus dir Gott (Shiva). Der Glaube, dass die Sinnesobjekte voller Freude sind, ist einfach nur ein irriges Konzept. Durch das Ergreifen von Objekten werden die Sinnesorgane erregt. Die Welt des Körpers ist bemessen. Sie ist nur so groß wie der Körper. Alle Aktivitäten finden nur dem Körper zuliebe statt. Seine Freuden und seine Bindungen werden von ihm allein empfangen. Er hat seine wahre „Herrlichkeit“ zugunsten der Sinnesorgane aufgegeben und jetzt ist es sehr schwer, zu ihr zurückzukehren. Die Sinnesorgane sind abhängig. Außer Kontrolle jagen sie eingebildeten Freuden hinterher. Das ist das Wunder! Das ist, was „Genuss“ genannt wird! Genuss weist einzig und allein auf die Stimulation der Sinnesnerven hin.

Es ist ein Wahnsinnsspiel und es wurde beschlossen, dass du dieses Spiel von Gewinn und Verlust, Genuss und Schmerz weiterspielen und weiterhin erfahren musst. Du nennst es Genuss, aber tatsächlich ist es nichts als ein Spiel der Einbildung. Du nennst es Genuss, aber er muss (ab)getötet werden. Im Töten des Vergnügens findet sich wahres Glück. Doch die Menschen halten die Einbildung weiterhin hoch, die tatsächlich nichts als Leiden ist. Es ist gut, wenn du das Vergnügen getötet hast. Allerdings muss auch der Mörder des Vergnügens sterben. Objekte sind eingebildet und das Genießen derselben ist es auch. Genuss ist bloß ein Gedanke oder ein Gefühl, das du magst. Du erfährst Freude, wenn alles so passiert, wie von dir gewünscht. Gott (Shiva) ist ohne jeden Gedanken. 

Die Objekte aller Sinnesorgane sind verschieden. Die zehn Sinnesorgane ziehen dich in zehn Richtungen. Yama, der Gott des Todes, reitet auf dem „Büffel der Unwissenheit“ und greift dich an. Unwissenheit ist es, die dich ins Reich des Todes trägt. Die Verführung der Sinne, das Umgarntsein vom Genuss ist nichts anderes als Anhaftung an den Körper. Alles ereignet sich im großen Plan der Dinge, aber das Individuum sagt: „Ich habe alles gemacht.“ Obwohl das Individuum das Selbst ist, sagt es, dass es der Körper ist, und trägt so die Bürde des Verdienstes und der Sünde. Das ist die Krankheit der Identifikation mit dem Körper, genannt Ego. Es ist wie der Hund, der unter einem fahrenden Fuhrwerk läuft und sagt, dass er es ist, der den Karren bewegt. Genauso trägt das Individuum falschen Stolz und nimmt für sich in Anspruch, alles zu tun. Es gönnt sich niemals Ruhe. Es ist, als ob es unkontrollierbar durch die Körperidentifikation in Beschlag genommen wird.    

In der Stadt der Blinden gab es ein Gesetz, das besagte: Wenn jemand kommt, dessen Augen sehen können, werden sie ihm die Augäpfel rausnehmen. Man muss von dort mit hinlängli-cher Listigkeit entkommen. Die Täuschung weiß, dass sie verleumdet werden würde, wenn jemand das Selbst verwirk-licht, deshalb unternimmt sie Anstrengungen, die dem Wissen zuwiderlaufen. Weil du dich am Körper und den Sinnesfreu-den festmachst, geht der Kreislauf von Geburt und Tod weiter. Nur wenn du erkennst, dass Vergnügen Kummer ist, kommst du zu wahrem Glück. Es ist sehr nachteilig, Handlung in Erwartung ihrer Früchte auszuführen. Das Verlangen nach Früchten oder Ergebnissen zwingt das Selbst, das jenseits der Geburt ist, eine Geburt anzunehmen. Deshalb gewähre dem Verlangen nach Ergebnissen keinen Unterschlupf. Maya beläs-tigt den Jiva, indem sie ihn mit der Fata Morgana der Körper-identifikation beeindruckt, aber leider wird es dem Individuum nicht zu viel damit. Der Jiva nimmt in verschiedenen Körpern Geburt an und leidet dann von sich aus. Der Jiva, der die Augen vor dem Selbstsein verbindet, streunt überall umher.    

 

  1. September 1935

 

Meister der Selbst-Verwirklichung-Sri Siddharameshwar Maharaj-Buchcover im Noumenon Verlag

Ich finde es erstaunlich, wie die Sprache bzw. mehr als die Sprache rüberkommt. Es war für mich beim Lesen ganz so, als hätte Siddharameshwar direkt zu mir gesprochen. Die Aufschriebe sind Nisargadatta sehr gut gelungen, sehr frisch.
Die ersten Kapitel liegen mir nicht so sehr, da viel die Rede von Müssen und Sollen ist. So wie ich es verstehe, war das zu Zeiten Siddharameshwars sehr üblich, solche Anweisungen zu geben und ich lese da in der Regel einfach drüber weg.

Auch bei Nisargadatta kommen solche Muss-Sätze immer wieder vor, aber nicht so häufig. Ramana Maharshi hat dies, je nachdem, wer vor ihm saß, ebenso gemacht und es hat dem Kern seiner „Lehre“ nichts genommen. Der außergewöhnliche Geist, der da spricht, das Absolute, die Quelle, die da spricht ist für mich bei allen drei Genannten unübersehbar.

Das ist bei solchen Büchern für mich das Wesentlichste und das erzeugt die Resonanz, das uneingeschränkte Ja und die Freude.
Die Klarheit, das Durchdringende, das höchste Wissen sind für mich bei Siddharameshwar durchgehend deutlich spürbar und erfahrbar. Ab so ca. der Hälfte verlieren sich die Muss-Geschichten mehr und mehr und die Sprache, die Aussagen finde ich äußerst klar. Auf außergewöhnlich umfassende und gut verständliche Art und Weise wird mit dem Mythos der Ich-Vorstellung aufgeräumt. Das finde ich absolut lesenswert! Ich freue mich schon auf ein weiteres Mal Lesen.

Traude

Adresse

Noumenon Verlag
Lornsenstraße 14
22767 Hamburg 

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