Gott.Mensch.Sein - Cover

Leseprobe

Die „neue“ Metamorphose

Töte Buddha

 

Buddha? Töten? Du kannst Buddha überhaupt nur in deinen
Vorstellungen antreffen. Da kann er aber nicht sein,
wer er ist. Buddha kann nur leben, wenn du ihn sterben lässt und für dich selbst erkennst, was es mit Buddha oder Jesus wirklich auf sich hat.

Dafür musst du ihnen so nahe kommen, dass zwischen sie und dich kein Haar mehr passt, kein einziger Gedanke! Du bist der einzige Buddha, den du erkennen kannst, der einzig
mögliche Buddha. 

Du wagst es nicht, dich einen Buddha zu nennen? Das ist gut! Denn solange du glaubst, jemand zu sein, bist du wahrlich kein Buddha, sondern jemand, der sich an ein viel zu kleines Bild von sich selbst verloren hat und deshalb einen Buddha
im Außen sucht.

Dabei kann Buddha nur leben, wenn du den Buddha in dir
erkennst, wenn du zu Buddha wirst. Und ein Buddha (oder ein
vollkommener Trottel) bist du dann, wenn du nicht mehr weißt,
wer du bist oder sein sollst.

Dann entdeckt sich die Buddha-natur immer wieder ganz von allein. – Dann bist du das, was Buddhaschaft bedeutet, aber keine Buddhaschaft kennt – die niemals zu Ende gehende Verwirklichung des Augenblicks.

Lass den Predigern ihren Jesus. Nur weil der wahre Christus
als die sich selbst erkennende Gegenwart des Lebens gekreuzigt wurde, kann heute über ihn aus verstaubten Köpfen in kalten Kirchen gepredigt werden.

Ein lebendiger Jesus spricht für sich selbst. Er lässt sich das
Wort nicht im Mund umdrehen. Er sagt, was er zu sagen hat
und tut, was er zu tun hat. 

 

Er lebt aus dem Gewissen der Gegenwart und nicht nach den Vorstellungen derer, die ihn erst für sich entdeckt haben, nachdem sie sicher waren, dass ihnen seine lebendige Präsenz nicht mehr gefährlich werden kann. Auf Tote ist einfach sehr viel mehr Verlass.

„Lass die Toten die Toten begraben“ (Mt. 8, 22) und erkenne,
dass ein Jünger des lebendigen Lebens nicht in der Bequem-lichkeit seiner überkommenen Gedankenstrukturen leben kann. Werde ein Jünger des Lebens. Verehre das Leben mit allem, was du bist. Mehr bedarf es nicht.

Wenn es dir um Vollkommenheit geht, suche kein Vorbild für
dein Handeln, suche niemanden, von dem du glaubst, dass er
vollkommen gehandelt hat, sonst muss deine Vollkommenheit
ein frommer Wunsch bleiben – für dich. Für denjenigen, der in
dir sieht, was du in dir siehst!

Die Welt sehnt sich nach Vorbildern, weil sie sich nicht selbst
auf den Weg machen will. Eine Predigt zur rechten Zeit, ein
Jesus, ein Buddha, ein gutes Gefühl, ein schlechtes Gewissen.
So funktioniert das nicht. Töte Buddha, töte jedes noch so heilige Bild in dir und sei bereit, in der Niedrigkeit des Lebens die eine und einzig wahre Heiligkeit – und damit das Paradies – zu entdecken.

Das ist die Bewusstwerdung. Sie lässt alle Bilder verschwinden. Und wo keine Bilder mehr sind, wird tiefe Schönheit
direkt empfunden. Diese Schönheit kommt nicht mehr von Buddha, diese Schönheit kommt nicht mehr von Jesus, diese
Schönheit kommt aus dir selbst.

Verschwinde in dieser unbeschreiblichen Schönheit, die nicht einmal mehr der Schönheit bedarf, um zu sein, was sie ist: Schönheit.

Daniel Herbst

Reaktionen

Daniel Herbst schreibt mit dem klaren Verstand eines Forschers und dem Herzen eines Poeten. Dieses Buch zerstört innere und äußere Welten und erschafft gleichzeitig ein so lebendiges Gefühl für Wirklichkeit, dem nichts mehr folgt.
Ich habe noch nie so viele Erkenntnisse aus einem Buch gewonnen. Erkenntnisse, die meine Welt einreißen, die Vorstellungen meines Selbstbildes zerstören und die Substanz meiner Ansichten so in Frage stellen, dass ich zuweilen nur noch lachen kann. Und was ist befreiender als Lachen?
Seine Ansicht über den Tod ist so einleuchtend und so schön, dass ich sofort sterben wollte. Keinesfalls kaufen, wenn alles so bleiben soll, wie es ist.
Auf gar keinen Fall!

Nicole Paskow