Zen und Tao im Licht von Advaita

kDie vielfältigen Ereignisse des täglichen Lebens existieren gemäß Advaita lediglich als Bewegungen im Bewusstsein. Der wesentlichUnterschied zwischen einer gewöhnlichen und einer selbstverwirklichten Person besteht darin, dass die gewöhnliche Person auf alle Ereignisse reagiert und entscheidet, welche davon angenehm sind und welche nicht, wobei sie versucht, den angenehmen nachzugehen und die unangenehmen zu vermeiden. Die selbstverwirklichte Person lebt unwillentlich und nimmt die Geschehnisse, so wie sie sich ereignen, als Gottes Wille und entsprechend dem Kosmischen Gesetz an.

Der Betrachter sieht in der Praxis keinen offensichtlichen Unterschied zwischen einer gewöhnlichen und einer selbstverwirklichten Person, aber es gibt einen grundsätzlichen Unterschied in ihrer jeweiligen Haltung. Beide Körper-Mindorganismen haben naturgegebene Vorlieben, die auf die Gene und die Konditionierung zurückzuführen sind; beide genießen die Erfahrung, wenn ihre Vorlieben befriedigt werden. Doch wenn eine  Vorliebe nicht befriedigt wird, nimmt die selbstverwirklichte Person die Situation an, während die gewöhnliche Person ihre Vorlieben weiter verfolgt und enttäuscht ist.

Mit anderen Worten sehnt sich die selbstverwirklichte Person im Alltag weder nach mehr Genuss, noch widersteht sie dem, was sich ihr auf der Ebene von Objekten zeigt. Sowohl das Wollen wie auch das Nichtwollen sind Aspekte des Willens, und im Falle der selbstverwirklichten Person gibt es absolut keinen Willen. Ihr sensorisches Instrumentarium antwortet auf einen externen Stimulus, ohne dass der Verstand eingreift. Sie lebt ihr Leben „wie ein trockenes Blatt im Wind“. Sie weiß, dass ihr Leben, wie das Leben aller, entsprechend dem Göttlichen Willen oder dem Kosmischen Gesetz gelebt wird, und bezeugt lediglich, wie sich das Leben natürlicherweise ereignet.

13.

Diejenigen, die durch das Vernehmen der Dharma Erleuchtung suchen – die Shravakas („derjenige, der hört“) – erlauben es Konzepten, in ihrem Verstand zu erscheinen, statt nach dem intuitiven Wissen zu suchen, indem sie das konzeptuelle Denken eliminieren. Sie können die Buddhaschaft nur nach unendlich langer Zeit erlangen. Der Höchste Weg besteht im plötzlichen Erwachen zu der Tatsache, dass dein eigener Mind der Buddha ist, dass es nichts gibt, was erreicht werden und keine Tat, die ausgeführt werden kann.

Die Schüler des Weges müssen erkennen, dass sich eine Hürde zwischen ihnen und dem Weg aufbauen kann, wenn sie sich auch nur in einen einzigen Gedanken verstricken. Ein Buddha zu sein bedeutet, von Gedanken-Augenblick zu Gedanken-Augenblick nicht zu objektivieren, also keine Aktivität zwischen Gedanken-Augenblick und Gedanken-Augen-blick zu stellen. Es ist nicht notwendig irgendwelche Lehren zu studieren. Du musst nur lernen, nicht zu suchen und dich an nichts zu hängen.  

Das, was niemals geboren oder zerstört wird, ist der Buddha. MIND ist ungeboren, wenn nichts gesucht wird; MIND ist nicht untergraben, wenn es keinerlei Bindung gibt.

Die achtundvierzigtausend Methoden mit den achtundvierzigtausend Formen der Täuschung umzugehen – das sind nur Sprachbilder, um die Menschen an die Pforte zu locken, aber tatsächlich existiert keine Form oder Methode. Die Bedeutung von Dharma ist Verzicht. Das schließt den Dharma selbst mit ein!

„Huang Po deutet manchmal an, dass die Anhänger der Hinayana[1] auch zu viel Wert auf die wörtliche Bedeutung der Schriften legen, und daher nicht in der Lage sind, das Konzeptualisieren zu meiden und sich dem intuitiven Verstehen zu öffnen. Diejenigen, die das Konzeptualisieren unterlassen können, bedürfen der Schriften nicht.“[2]

[1] Hinayana („kleines bzw. minderes Fahrzeug“), Mahayana („großes bzw. umfassendes Fahrzeug“).

[2] Aus Blofelds Fußnoten zum Originaltext.

Ramesh Balsekar-Zen und Tao im Licht von Advaita-Buchcover im Noumenon Verlag

Für Advaita Kenner, ist das eine weitere Kaufempfehlung. Wie immer sehr eloquent und aufschlußreich. Und wer Balsekar nicht kennt kann es auch unbesehen kaufen. Allein wegen seiner Auslegung des Tao te King. Kann ich nur empfehlen.

Joachim

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